{"id":3442,"date":"2026-10-01T08:30:00","date_gmt":"2026-10-01T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/?p=3442"},"modified":"2026-09-03T17:25:09","modified_gmt":"2026-09-03T15:25:09","slug":"cals142","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2026\/10\/cals142\/","title":{"rendered":"Wer ist Immanuel (Jes. 7,14)?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend ich dies schreibe, arbeite ich an Vorlesungseinheiten f\u00fcr das Buch Jesaja. Sie richten sich an Studierende der <a href=\"https:\/\/onlinesbs.org\/\">Online-Version der School of Biblical Studies (SBS)<\/a>, werden aber jedem Interessenten zur Verf\u00fcgung stehen. Diese Ausgabe ist eine dieser Einheiten \u2013 um dir einen Vorgeschmack zu geben! Ich werde dir Bescheid geben, wann und wo die anderen Einheiten verf\u00fcgbar sind (irgendwann auf YouTube, allerdings nur auf Englisch).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Diesen Inhalt gibt es in Englisch auch als<\/em> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/ksIEPr5QTc8\">VIDEO PODCAST<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was als Vorbereitung auf einen Vortrag begann, entwickelte sich zu einer weiteren \u00dcbung im Umgang mit einem kontroversen Thema. Ein bestimmter Vers f\u00fchrte zu einer langen und fruchtbaren Diskussion mit der Person, die mich gebeten hatte, die Vortr\u00e4ge vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es hat mir wieder gezeigt, wie viel wir gewinnen, wenn wir einen Text aus mehr als einem Blickwinkel betrachten und auf Interpretationen achten, die sich von unseren eigenen unterscheiden. H\u00fcte dich vor dem Best\u00e4tigungsfehler: nur wahrnehmen oder beachten, was die eigene \u00dcberzeugung best\u00e4tigt!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein umstrittener Vers<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht um einen Vers in Jesaja, dessen Bedeutung umstritten ist. Wir werden unter anderem pr\u00fcfen, ob sein breiterer Kontext uns hilft, ihn zu deuten. Dazu geh\u00f6rt sein historischer Kontext wie auch der Kontext der gesamten Bibel, da der Vers im Neuen Testament zitiert wird. Das werden wir ebenfalls ber\u00fccksichtigen. Es wird erfordern, dass wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie das Neue Testament das Alte verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst schildere ich die Umst\u00e4nde, basierend auf Jesaja 7,1-13. Es ist das Jahr 734 v. Chr. Assyrien wird zunehmend zu einer Bedrohung, mit der man in Juda und Israel rechnen muss. Syrien (oder Aram) und das Nordreich Israel streben an, ein B\u00fcndnis mit ihren Nachbarn gegen Assyrien zu schmieden. Aber Ahas, der K\u00f6nig von Juda, ist nicht willens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb fallen Israel und Syrien gemeinsam in Juda ein und planen einen Angriff auf Jerusalem, um Ahas abzusetzen. In dieser Situation schickt Gott Jesaja und seinen Sohn mit einer Verhei\u00dfung: Diese beiden K\u00f6nige von Israel und Syrien werden nicht siegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als N\u00e4chstes fordert Gott Ahas heraus, um ein Zeichen seiner Wahl zu bitten. Doch Ahas lehnt mit anscheinend frommer Begr\u00fcndung ab: \u201eIch will\u2019s nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche\u201c (Jes. 7,12). Jesaja informiert uns nicht n\u00e4her, aber im Buch der K\u00f6nige (2. K\u00f6. 16,7-9) finden wir die Erkl\u00e4rung, den eigentlichen Grund: Ahas hat Gesandte zu Tiglat-Pileser, dem K\u00f6nig von Assyrien, gesandt und um Hilfe gebeten. Er verl\u00e4sst sich lieber auf die Assyrer als auf Gott zu vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Jesaja 7,14-16 k\u00fcndigt Jesaja dennoch ein Zeichen an:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn geb\u00e4ren, den wird sie nennen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, bis er wei\u00df, B\u00f6ses zu verwerfen und Gutes zu erw\u00e4hlen. Denn ehe der Knabe lernt B\u00f6ses verwerfen und Gutes erw\u00e4hlen, wird das Land ver\u00f6det sein, vor dessen zwei K\u00f6nigen dir graut.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also, wer ist dieses Kind? Wir w\u00fcrden es in naher Zukunft erwarten, aber dann erinnern wir uns an Matth\u00e4us 1,23; dort wird das Wort auf Jesus bezogen. Ist er die Erf\u00fcllung? Oder gibt es eine doppelte Erf\u00fcllung, d.h., verweist die Prophetie zun\u00e4chst auf ein Kind zu Jesajas eigener Zeit und dann, in einer zweiten Erf\u00fcllung, auf Jesus?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnten das Problem so formulieren:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Sagt [Jesaja] eine Geburt in entfernter Zukunft voraus, oder gibt es schon zu seiner Lebzeit ein zeichenhaftes Kind, das sp\u00e4ter das Muster wird, durch das Matth\u00e4us den Messias erkannt? (so ChatGPT)<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beachte, dass die Formulierung hier subtiler ist als \u201edoppelte (zweifache) Erf\u00fcllung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie erw\u00e4hnt, hatten die Person, die mich um diese Vorlesungen \u00fcber Jesaja f\u00fcr die Online-SBS bat, und ich eine Diskussion \u00fcber E-Mail. Basierend auf der Korrespondenz bat ich ChatGPT, unsere jeweilige Argumentation zusammen zu fassen. Das Ergebnis folgt, leicht bearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a>W\u00e4hrend du die beiden unten aufgef\u00fchrten Alternativen liest, versuche, deine eigene Position zu dieser Frage zu kl\u00e4ren. Du k\u00f6nntest dir auch noch die Fortsetzung der Bibelstelle, Jesaja 7,14-9,7, ansehen. Welche Option \u00fcberzeugt dich mehr?<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Option A: Jesaja 7,14 ist eine direkte messianische Prophetie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesaja 7 beginnt w\u00e4hrend einer politischen Krise. K\u00f6nig Ahas f\u00fcrchtet eine Invasion durch Syrien und Israel, doch Jesaja sagt ihm, er solle keine Angst haben, da ihr Plan scheitern werde. Als Ahas Gottes Angebot eines Zeichens ablehnt, wendet sich Jesaja nicht nur an Ahas, sondern an das gesamte <strong>Haus Davids<\/strong> (beachte den Wechsel vom Singular zum Plural in Vers 13-14). Das Versprechen reicht daher \u00fcber einen ver\u00e4ngstigten K\u00f6nig hinaus bis hin zu Davids k\u00f6niglicher Linie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zeichen selbst ist au\u00dfergew\u00f6hnlich: \u201eEine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn geb\u00e4ren, den wird sie nennen Immanuel.&#8221; Obwohl das hebr\u00e4ische Wort <em>almah<\/em> nicht unbedingt <em>Jungfrau<\/em> bedeutet, bezieht es sich normalerweise auf eine unverheiratete junge Frau. Die antike griechische \u00dcbersetzung (die Septuaginta), die lange vor Jesus entstand, \u00fcbersetzte es mit <em>parthenos<\/em> (d.h. <em>Jungfrau<\/em>). Matth\u00e4us folgt dieser \u00dcbersetzung, wenn er von Jesu Geburt spricht: \u201eSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben\u201c (Matt. 1,23).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere Merkmale deuten darauf hin, dass Jesaja ein einzigartiges Kind im Blick hat. Das Kind erh\u00e4lt den bemerkenswerten Namen <strong>Immanuel<\/strong> (\u201eGott mit uns\u201c), ein Name, der in Jesaja 8,8 und 10 nochmals auftaucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesaja 9 bezieht sich auf ein Kind, dessen Namen die eines gew\u00f6hnlichen K\u00f6nigs ebenfalls \u00fcbersteigen: \u201eWunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-F\u00fcrst\u201c. Es ist dasselbe Kind. Jesaja 11 spricht dann erneut von diesem davidischen Herrscher aus der Linie Isais, der Gottes Reich in seiner F\u00fclle bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Schwierigkeit besteht darin, dass Jesaja 7,15-16 die Jugend des Kindes mit dem Untergang Syriens und Israels verkn\u00fcpft, Ereignissen, die im 8. Jahrhundert v. Chr. stattfanden. Jesaja gibt jedoch <strong>nicht<\/strong> an, <em>wann<\/em> das Kind geboren wird. Die Prophetie besagt einfach, dass diese K\u00f6nigreiche verschwunden sein werden, bevor das Kind ein bestimmtes Alter erreicht. Das Kind k\u00f6nnte Jahrhunderte sp\u00e4ter geboren werden, ohne der Formulierung zu widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us entdeckt daher nicht nur ein Muster in Jesaja; er identifiziert Jesus als das Kind, das Jesaja vorhergesagt hat. Es gibt nur ein Kind. Die Prophetie wartete auf ihre einzige wahre Erf\u00fcllung in der wundersamen Geburt Christi, des einzigen Immanuel, Gott mit uns.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Option B: Jesaja 7,14 hat eine historische Erf\u00fcllung, die auf Christus verweist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesaja 7 behandelt eine spezifische historische Krise. Juda sieht sich einem Angriff aus Syrien und Israel gegen\u00fcber, und Ahas ist entsetzt. Jesaja bietet daher ein Zeichen, dass Gott Jerusalem bewahren wird. Da das Zeichen im Kontext dieser unmittelbaren Krise gegeben wird, muss es f\u00fcr Jesajas eigene Generation Bedeutung gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kontext von Jesaja 7 geh\u00f6ren die Verse 14-16 zusammen: Ein Kind wird geboren und Immanuel genannt, und bevor es eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht, werden die L\u00e4nder der beiden bedrohlichen K\u00f6nige weitgehend verlassen sein. Wenn wir den historischen Kontext ernst nehmen, muss Jesaja ein Kind in seiner eigenen Zeit erwartet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer war dieses Kind? Vorschl\u00e4ge umfassen Jesajas eigenen Sohn, Maher-shalal-hash-baz (Jes. 8,1-4), Hiskia oder ein sonst unbekanntes Kind. Keiner dieser Vorschl\u00e4ge ist problemlos, aber sie teilen alle die \u00dcberzeugung, dass die Prophetie zuerst die Zeitgenossen Jesajas ansprach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kann Matth\u00e4us also sagen, dass die Prophetie in Jesus \u201eerf\u00fcllt\u201c wurde?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Neue Testament verwendet das Konzept <strong>Erf\u00fcllung<\/strong> oft weiter gefasst als einfache Vorhersage und Erf\u00fcllung. Zum Beispiel wendet Matth\u00e4us Hosea 11,1 (\u201eAus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen\u201c) auf Jesus an, obwohl Hosea von Israels Vergangenheit sprach und nicht den Messias vorhersagte. Jesus wiederholt aber Israels Geschichte; zum Beispiel wird Jesus als der neue Mose und der gr\u00f6\u00dfere David dargestellt. In solchen F\u00e4llen bedeutet <em>Erf\u00fcllung<\/em>, dass eine fr\u00fchere Person, ein fr\u00fcheres Ereignis oder ein bestimmtes Muster seinen vollen Ausdruck in Christus findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dieser Ansicht wurde die Geburt des Kindes namens Immanuel zu einem Beispiel f\u00fcr Gottes Versprechen, w\u00e4hrend einer nationalen Krise \u201emit uns zu sein\u201c. Matth\u00e4us erkennt an, dass Jesu Geburt der H\u00f6hepunkt und ultimative Ausdruck derselben Realit\u00e4t ist. Die \u00dcbereinstimmung ist nicht zuf\u00e4llig, sondern theologisch. Wo das erste Kind Gottes Gegenwart mit Juda symbolisierte, ist Jesus Immanuel im vollstm\u00f6glichen Sinne: Gott selbst gegenw\u00e4rtig unter seinem Volk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sprach Jesaja 7,14 wirklich das 8. Jahrhundert v. Chr. an und bereitete die Leser zugleich auf einen gr\u00f6\u00dferen Immanuel vor, der noch kommen sollte. Matth\u00e4us behauptet nicht, dass Jesaja (in 7,14) zwei Geburten vorhergesagt hat, sondern dass die erste Geburt ein g\u00f6ttlich beabsichtigtes Muster oder Modell aufgestellt hat, dessen tiefste Bedeutung in der jungfr\u00e4ulichen Geburt Christi offenbart wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Geburt: Wie besonders? Das Kind: Wer ist es?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was jetzt? Wir stehen vor zwei zentralen Fragen. Wie verstehen wir die Geburt als Zeichen? Und wer ist das Kind? Zuerst das Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zeichen l\u00e4sst uns zumindest etwas Ungew\u00f6hnliches erwarten. Das urspr\u00fcngliche Angebot in Jesaja 7,11 gibt Ahas absolute Freiheit<em>,<\/em> ein Zeichen zu w\u00e4hlen, <em>egal welches<\/em>. Das Parallelzeichen, das Hiskia gegeben wird, scheint ein Wunder zu sein (Jes. 38,7-8). Auch hier w\u00fcrden wir das erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie <em>Almah<\/em> schwanger und geb\u00e4rend\u201c, so hei\u00dft es im Text w\u00f6rtlich. Die \u00dcbersetzung in der Luther-Bibel, \u201eJungfrau\u201c, ist gewagt. Leider ist das hebr\u00e4ische Wort zu selten, um sicher zu sein. Es bezieht sich aber nie auf eine verheiratete Frau. Und die Septuaginta, wie erw\u00e4hnt, \u00fcbersetzte <em>Jungfrau.<\/em> Jemand zu jener Zeit der \u00dcbersetzung war wohl der Meinung, die Geburt w\u00fcrde ein Wunder sein und h\u00e4tte noch nicht stattgefunden. Matth\u00e4us hat es wahrscheinlich [beachte meine Vorsicht: <em>wahrscheinlich<\/em>] \u00e4hnlich gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Prophetie jedoch ein Kind in naher Zukunft betrifft, muss die Geburt weit weniger spektakul\u00e4r sein, als es die Luther-\u00dcbersetzung vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder kann es beides sein? Schlie\u00dflich erscheinen einige der \u201eErf\u00fcllungen\u201c in Matth\u00e4us auf den ersten Blick weit hergeholt. Und das Kind soll Butter und Honig essen, bevor es ein bestimmtes Alter erreicht hat, <em>als Folge dessen,<\/em> was die Assyrer getan haben. Und wir wissen, dass dieser Angriff zu Jesajas Lebzeiten stattfand. Warum also nicht das Kind? Aber was ist dann mit Matth\u00e4us?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verwirrend. Kein Wunder, dass es eine Debatte gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang ist es nicht ungew\u00f6hnlich, von doppelter Erf\u00fcllung zu sprechen. Ich finde diesen Begriff problematisch, aber wir werden sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die zweite Frage betrifft, wer das Kind in Jesaja 7,14 ist, werde ich drei m\u00f6gliche L\u00f6sungen besprechen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Maher-shalal-hash-baz, der Sohn des Jesaja, und Jesus, eine doppelte Erf\u00fcllung<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Maher-shalal-hash-baz, mit einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr das scheinbar aus dem Zusammenhang gerissene Zitat im Matth\u00e4usevangelium<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Jesus<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Luther-Bibel \u00fcbersetzt <em>Maher-shalal-hash-baz<\/em> \u00fcbrigens mit <em>Raubebald-Eilebeute<\/em>. Auch dieser Name ist in Jesaja prophetisch und zeichenhaft. Es geht darum, dass das von Israel und Syrien Geraubte bald wieder zu Beute wird \u2013 so gewonnen, so geronnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Janus_coin.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"487\" height=\"491\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Janus_coin.png?resize=487%2C491&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3446\" style=\"width:257px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Janus_coin.png?w=487&amp;ssl=1 487w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Janus_coin.png?resize=298%2C300&amp;ssl=1 298w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Janus_coin.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a>Das Kind: Doppelte Erf\u00fcllung?<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Also, wer ist das Kind?<\/strong> Die erste M\u00f6glichkeit: Kann es beides sein, ein Kind, das damals in den Tagen Jesajas geboren wurde, und dann Jahrhunderte sp\u00e4ter Jesus als zweite Erf\u00fcllung? W\u00e4re das eine gute M\u00f6glichkeit, sowohl Jesaja (und seinem historischen Kontext) als auch Matth\u00e4us gerecht zu werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das f\u00fchrt uns zu einer gr\u00f6\u00dferen Frage: die Verwendung des Alten Testaments im Neuen Testament, oder genauer gesagt, wie das Neue Testament die Erf\u00fcllung der Prophetie im Alten Testament behandelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Alte Testament im Neuen Testament<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht entstehen unsere Schwierigkeiten mit Jesaja 7,14, weil wir annehmen, dass Prophetie immer als eine direkte Vorhersage funktioniert: Etwas wird im Voraus verk\u00fcndet, und sp\u00e4ter tritt das vorhergesagte Ereignis ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem Verst\u00e4ndnis von Erf\u00fcllung ist doppelte Erf\u00fcllung eine wenig \u00fcberzeugende L\u00f6sung. Warum sollte es eine weitere Erf\u00fcllung geben, nachdem eine Vorhersage sich erf\u00fcllt hat? Und woher sollten wir das wissen? Verwenden wir <em>doppelte Erf\u00fcllung<\/em> vielleicht als Ausrede, damit wir der schwierigen Frage ausweichen, wie der Autor im Neuen Testament die Verbindung verstanden haben k\u00f6nnte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Matth\u00e4us das Alte Testament verwendet, deutet auf ein breiteres Verst\u00e4ndnis von <em>Erf\u00fcllung<\/em> hin. Zwei Beispiele.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach \u00c4gypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erf\u00fcllt w\u00fcrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: \u201eAus \u00c4gypten habe ich meinen Sohn gerufen\u201c. (Mt. 2,14-15)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird Hosea 11:1 zitiert. Im Kontext spricht Hosea vom Exodus, einem Ereignis in der Vergangenheit. Matth\u00e4us muss das gewusst haben; Hosea sagt keinen zuk\u00fcnftigen Messias voraus. Dennoch sagt Matth\u00e4us, dass Jesu R\u00fcckkehr aus \u00c4gypten Hoseas Worte \u201eerf\u00fcllt\u201c habe. Was meint er? Der urspr\u00fcngliche Text ist keine Vorhersage.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wurde erf\u00fcllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: \u201eIn Rama hat man ein Geschrei geh\u00f6rt, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht tr\u00f6sten lassen, denn es war aus mit ihnen\u201c. (Mt. 2,17-18)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das poetische Bild in Jeremia 31,15 sieht Rachel weinen; hier gibt es tats\u00e4chlich eine Vorhersage. Doch der Kontext der Erf\u00fcllung ist das Babylonische Exil, kein Ereignis unter sp\u00e4terer r\u00f6mischer Besatzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat Matth\u00e4us also einfach seine Beweistexte aus ihrem Kontext in Hosea und Jeremia herausgerissen? Ist das eine willk\u00fcrliche Verwendung von Bibelversen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Ein Teil des Problems liegt bei uns. Wir haben ein enges Verst\u00e4ndnis von Vorhersage und Erf\u00fcllung. Wir nehmen an, dass die Propheten klare und spezifische Vorhersagen gemacht haben, auf die ebenso spezifische Erf\u00fcllungen folgen. Und dann sind wir erstaunt, dass Matth\u00e4us unsere Erwartungen nicht erf\u00fcllt \u2013 Wortspiel beabsichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin \u00fcberzeugt, dass die Verwendung im NT niemals willk\u00fcrlich ist, aber sie folgt auch nicht diesem vereinfachten Schema.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a>Nicht jede Nutzung bedeutet Erf\u00fcllung<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen hier vorsichtig sein und eine wichtige Unterscheidung treffen. Viele Zitate und andere Verwendungen des Alten Testaments im Neuen Testament drehen sich nicht um Prophetie und Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kann eine literarische (Wieder-)Verwendung von W\u00f6rtern und Bildern geben. Jesaja selbst tut dies mit Leviathan in Jesaja 27,1. Leviathan, ein mythologisches Monster, entlehnte er nicht der Schrift, sondern der kanaanitischen (!) Mythologie. Aber Jesaja gibt ihm seine eigene Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes macht das oft in der Offenbarung. Zum Beispiel sind die zwei Leuchter und die zwei Olivenb\u00e4ume in Offenbarung 11 ein Echo aus Sacharja 4. Aber die Bedeutung ist eine andere. Offenbarung 11 beansprucht keine Wiederholung oder doppelte Erf\u00fcllung. In solchen F\u00e4llen gibt es eine freie Entlehnung von W\u00f6rtern oder Bildern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Zitat oder die Anspielung jedoch als Argument verwendet wird, steckt meist, vielleicht immer, solide Theologie dahinter. Schauen wir uns das Zitat aus Hosea 11,1 noch einmal an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn von Erf\u00fcllung die Rede ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie erw\u00e4hnt, muss Matth\u00e4us gewusst haben, dass Hosea 11,1 \u00fcberhaupt keine Vorhersage ist. Er geht davon aus, dass Jesus Israels Geschichte neu lebt und sie zu ihrer beabsichtigten Vollendung f\u00fchrt. Israel kam aus \u00c4gypten; Jesus kommt aus \u00c4gypten. Israel durchquerte 40 Jahre die W\u00fcste; Jesus zieht sich 40 Tage in die W\u00fcste zur\u00fcck. Die Geschichte wird zu einem Muster, das sich wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andernorts erkennt Matth\u00e4us ebenfalls Muster und Parallelen, die er als Erf\u00fcllung im weiteren Sinne sieht. Beachte, dass Jesus in der Bergpredigt sagt, er sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten zu erf\u00fcllen (Mt. 5,17). Nicht zu tun, sondern zu erf\u00fcllen. Nicht nur die Propheten, sondern auch das Gesetz. Wie erf\u00fcllt man das Gesetz? Dies deutet ebenfalls auf ein breiteres Konzept der Erf\u00fcllung hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matth\u00e4us stellt Jesus als den vollkommenen \u2013 und gr\u00f6\u00dferen \u2013 Mose dar, der eine h\u00f6here Tora bringt. Er ist der gr\u00f6\u00dfere David und der eigentliche Gottesknecht. Er ist der gr\u00f6\u00dfere Adam. Er ist Israel. Er erf\u00fcllt Israels Mission. Daher kommt er wie Israel aus \u00c4gypten. Deshalb verbringt er 40 Tage der Versuchung in der W\u00fcste, wobei Jesus, anders als Israel, den Test besteht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Psalmen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Art, das Alte Testament zu lesen, beschr\u00e4nkt sich nicht auf Matth\u00e4us. \u00c4hnliches sehen wir, wenn die Urgemeinde die Psalmen liest. Auch sie erkennt dort in Jesus den gr\u00f6\u00dferen David.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Pfingsten in Apostelgeschichte 2 steht Petrus auf und zitiert Psalm 16: \u201eDenn du wirst mich nicht dem Tod \u00fcberlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe\u201c (Apg. 2,27), und findet darin Davids Vorhersage der Auferstehung Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hast du dich jemals \u00fcber die Logik oder die Verwendung der Schrift hier gewundert? Ist die Aussage in Psalm 16 wirklich eine Vorhersage, dass der Messias von den Toten auferstehen wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Argument des Petrus \u2013 denn er nutzt den Vers als Argument \u2013 hat jedoch mehr zu bieten, als wir vielleicht erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens, im Judentum des Zweiten Tempels, in der j\u00fcdischen Welt der Jahrhunderte vor und um Jesu Zeit, wurden die Psalmen prophetisch und messianisch gelesen. Es ist zu beachten, dass das auf Psalm 16 basierende Argument, das uns so \u00fcberrascht, beim Publikum einen tiefen Eindruck hinterl\u00e4sst. Das Argument \u00fcberzeugt. Das Publikum und Petrus haben das gleiche Verst\u00e4ndnis davon, wie das Buch der Psalmen gelesen werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dieses Verst\u00e4ndnis ergibt Sinn. Warum diese enorme Betonung auf David in den Psalmen? Fast die H\u00e4lfte von ihnen tr\u00e4gt seinen Namen. Das ist alles Vergangenheit! Oder etwa nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann die Anordnung der Psalmen so verstehen: Die Darstellung der Vergangenheit ist Muster und Schl\u00fcssel. Was damals war, zu Davids Zeiten, spricht prophetisch von dem, was (oder der) kommen wird: \u201eGelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!\u201c (Ps. 118,26; vgl. Mt. 21,9). Das hei\u00dft, hier kommt der Sohn Davids \u2013 so die Menge, die Jesus am Palmsonntag begleitet. Beachte, wie sie das Ereignis, den Einzug in Jerusalem, als Erf\u00fcllung von Psalm 110 und 118 interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies, mehr als direkte Prophetie (obwohl es die im Buch auch gibt), macht das Buch der Psalmen zu einem prophetischen Buch. Die Lage, in der Israel sich befindet, als das Buch der Psalmen fertig geschrieben wurde, kann nicht das Ende sein. Davids Leben und die Verhei\u00dfung in 2. Samuel 7 rufen nach einem gr\u00f6\u00dferen David und versichern den Lesern, dass ein gr\u00f6\u00dferer David kommen wird, denn der HERR wird seine Verhei\u00dfung einhalten (siehe <a href=\"https:\/\/www.wilrens.org\/2020\/07\/cals75\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Struktur des Buches der Psalmen und seine Botschaft 2<\/a> f\u00fcr mehr dazu).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich ist noch wichtig: In vielen F\u00e4llen gibt uns der Text des Neuen Testaments nur das eigentliche Zitat. Auf den ersten Blick mag es wirken, als sei es aus dem Zusammenhang gerissen worden. Doch es geht hier nicht nur um einen Vers hier und einen anderen dort. Ganze Geschichten aus dem Alten Testament werden nach dem Tod und der Auferstehung Jesu neu verstanden. In Lukas 24,25-32 \u201e\u00f6ffnete\u201c Jesus den J\u00fcngern \u201edie Schrift\u201c. Das Alte Testament ist voller Muster: Es gibt einen neuen Exodus, eine gr\u00f6\u00dfere R\u00fcckkehr aus dem Exil und \u2013 einen gr\u00f6\u00dferen David. Es gibt nicht unbedingt eine Vorhersage. Aber es gibt eine Parallele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Lesart ist manchmal innovativ und fantasievoll. Aber sie ist niemals willk\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?resize=1024%2C683&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3444\" style=\"aspect-ratio:1.4992745740797866;width:404px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rmt-boys-838221_1920.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Kind: Maher-shalal-hash-baz?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also, zur\u00fcck zu Jesaja 7,14. <strong>Wer ist das Kind, wenn wir eine grobe oder vereinfachte doppelte Erf\u00fcllung ablehnen?<\/strong> K\u00f6nnten wir in Matth\u00e4us 1,23 statt von einer doppelten Erf\u00fcllung von einer Muster-Erf\u00fcllung reden? Das will hei\u00dfen, dass Jesaja eine relativ unkomplizierte Erf\u00fcllung in der direkten Zukunft ank\u00fcndigt und Matth\u00e4us darin ein Muster erkennt, das sich in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe in der Empf\u00e4ngnis und Geburt Jesu wiederholt, der schlie\u00dflich der \u201ewirkliche\u201c Immanuel ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Fall stellt sich aber unmittelbar die Frage: Welches Kind zur Zeit Jesajas qualifiziert sich dann als Immanuel?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kann nicht Hiskia sein, der bereits geboren wurde. 701 v. Chr., das Jahr der Invasion Sanheribs, ist das 15. Jahr seiner Herrschaft, und er war 25, als er zu regieren begann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu behaupten, es sei ein unbekanntes Kind gewesen, ist unbefriedigend; es kann weder bewiesen noch widerlegt werden. Ende der Diskussion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber im weiteren Kontext, nur wenige Abs\u00e4tze sp\u00e4ter, wird nochmals ein Kind erw\u00e4hnt: Maher-shalal-hash-baz. Kann Immanuel gleichzeitig Maher-shalal-hash-baz sein? Diese L\u00f6sung ist nicht ohne Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Prophetie in Kapitel 8 ist \u00e4hnlich wie Jesaja 7:14-16, aber dennoch anders. Sowohl der Zeitrahmen als auch das vorhergesagte Ereignis unterscheiden sich. Von der Empf\u00e4ngnis bis zum Jungen, der seine Eltern ruft (Jes. 8,3-4), braucht es weniger als zweieinhalb Jahre. Bis dahin wird Israels Beute aus dem Krieg wieder zu Pl\u00fcnderung werden, da die Assyrer sie nehmen oder als Tribut erhalten. Es wird keine Entv\u00f6lkerung erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Immanuel ist der Zeitraum schwerer zu deuten: \u201e\u2026ehe der Knabe lernt B\u00f6ses verwerfen und Gutes erw\u00e4hlen\u201c (Jes. 7,16), aber das braucht auf jeden Fall l\u00e4nger, als \u201eVater\u201c oder \u201eMutter\u201c sagen zu k\u00f6nnen. Und was zuvor geschehen ist, ist nicht nur die assyrische Invasion Israels im Jahr 732 v. Chr., sondern auch die Entv\u00f6lkerung des Landes, die 722 v. Chr. oder etwas sp\u00e4ter stattfand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem, obwohl die \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen <em>Almah<\/em> mit <em>Jungfrau<\/em> wahrscheinlich zu viel behauptet, bleibt die Tatsache, dass Jesajas Ehefrau, die vermutlich bereits Shear-jashub geboren hat, nicht als <em>Almah<\/em> gelten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem passt der Name nicht. Und was sollen wir mit Jesaja 8,8 machen? Wenn Maher-shalal-hash-baz das Kind von 7:14 ist, k\u00f6nnen wir dann umformulieren: O Maher-shalal-hash-baz? Vielleicht impliziert dieser Vers eine gr\u00f6\u00dfere Figur als Jesajas Son [vielleicht].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann gibt es den Hinweis auf eine Jungfrauengeburt in Matth\u00e4us. Sicherlich glaubte Matth\u00e4us nicht, dass dies schon einmal geschehen sei und dass die Geburt Jesu eine Parallele zu dieser fr\u00fcheren wundersamen Geburt darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Matth\u00e4us \u201edie [junge\/unverheiratete] Frau&#8230;\u201c geschrieben h\u00e4tte, w\u00e4re es gut vorstellbar, dass es zu Jesajas Tagen ein Kind gab und dass Matth\u00e4us darin eine Art Parallele zur Geburt Jesu als Zeichen Gottes darin erkennt. Doch seine Verwendung des Begriffs <em>Jungfrau<\/em> bietet zumindest keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese Interpretation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Kind: Jesus?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Alternative:<\/strong> In Kapitel 8 verdoppelt Jesaja das Kind-als-Zeichen. Es gibt zwei verwandte, aber unterschiedliche Prophetien. Und nicht nur f\u00fcr uns, sondern auch f\u00fcr Jesaja gibt es zwei Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Prophetie dient den Gl\u00e4ubigen (nicht Ahas). Beachte Jesajas Frust oder gar Wut in Kapitel 7. In Jesaja 7,14 richtet er sich nicht nur an Ahas, sondern an das Haus Davids. Es ist gescheitert. Aber wegen des Bundesversprechens an David kann es nicht ersetzt werden. Also ist ein Wunder n\u00f6tig. Ein besserer David wird geboren werden. Aber der ist noch in unbekannter Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher gibt es im Interesse der Gl\u00e4ubigen eine zweite Prophetie und ein zweites Kind, das kurz darauf geboren wird und das \u00dcberleben der Nation in der gegenw\u00e4rtigen Krise der 730er Jahre garantiert. Diejenigen, die dem prophetischen Wort Aufmerksamkeit schenkten, erhielten ein zweites Zeichen, wenn auch kein wundersames, aber eines, das nah war und Trost und Hoffnung f\u00fcr die nahe Zukunft bot. Aber es ist ein zweites Zeichen und eine zweite Geburt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber wer ist dann das erste Kind?<\/strong> Wenn wir Jesaja 7-12 als zusammenh\u00e4ngende Einheit behandeln und deswegen den Kontext erneut erweitern, sagt Jesaja es uns. Nicht nur Matth\u00e4us zeigt auf den Messias. Auch in Jesaja 9,6 wird ein Kind geboren. Wer ist denn <em>dieses<\/em> Kind? Es liegt auf der Hand: das Kind, das zuerst in Jesaja 7,14 angek\u00fcndigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugegeben, in 9,6 hei\u00dft der Name des Kindes nicht Immanuel. Oder etwa doch? Ist der vierfache Name des Kindes in Jesaja 9,6 die Ausarbeitung dessen, was \u201eGottes mit uns\u201c bedeutet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings hat auch diese Alternative ihre Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meiner Ansicht nach ist das Problem bei dieser Interpretation nicht die lange Verz\u00f6gerung von Jahrhunderten, wenn das Kind Jesus ist. Das ist unerwartet, aber nicht undenkbar. Der Text behauptet, dass etwas passieren wird<em>, bevor<\/em> das Kind ein bestimmtes Alter erreicht. Er gibt nicht an, <em>wie viele<\/em> <em>Jahre<\/em> <em>vorher<\/em> das sein wird. Vielleicht handelt es sich hier um eine absichtliche Mehrdeutigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist, dass der Junge Butter und Honig essen wird, weil das Land weitgehend entv\u00f6lkert ist. Der Text scheint eine kausale Beziehung zwischen der assyrischen Invasion und der Ern\u00e4hrung des Jungen herzustellen. Das ist uns von Jesus nicht bekannt, dass er Butter und Honig in F\u00fclle hatte, und das Land war zu seinen Tagen sicherlich nicht mehr verlassen. Dies ist der schw\u00e4chste Punkt einer Interpretation, die die einzige Erf\u00fcllung in Christus sieht. Wir m\u00fcssten den Satz dann ungef\u00e4hr so \u00fcbertragen: Bevor der Messias kommt, wird Ephraim als Nation verschwunden sein. Das ist im Vergleich zum Verzehr von Butter und Honig ziemlich vage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Randbemerkung: Das B\u00f6se ablehnen, das Gute w\u00e4hlen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erlaube mir eine kleine Abschweifung. Es gibt ein faszinierendes Merkmal der Ank\u00fcndigung in 7:14-17. Es geht um die Wiederholung, die den Zeitrahmen definiert. Bevor das Kind lernt, \u201eB\u00f6ses verwerfen und Gutes erw\u00e4hlen\u201c \u2013 diese Redewendung wird zweimal verwendet. Die Wiederholung ist f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis unn\u00f6tig. Und warum beschreibt Jesaja sein Alter in diesen Begriffen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil Ahas das B\u00f6se gew\u00e4hlt hat. Und der Junge wird sicherlich zu sp\u00e4t kommen, um diese Entscheidung r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen oder ihre Konsequenzen zu verhindern. Bevor er bereit ist zu w\u00e4hlen, und zwar besser zu w\u00e4hlen als Ahas, wird das Gericht durch die Assyrer bereits stattgefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Junge wird jetzt zu sp\u00e4t kommen. Oder besser gesagt: Das Urteil kommt zuerst. Erst danach wird der Junge da sein, um das Gute zu w\u00e4hlen und das B\u00f6se abzulehnen und es besser zu machen als Ahas. \u201eB\u00f6ses verwerfen und Gutes erw\u00e4hlen\u201c ist somit nicht willk\u00fcrlich, sondern funktioniert als implizierter Vorwurf an Ahas.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unser Dilemma<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zur Schwierigkeit mit der Ansicht, dass 7:14 ausschlie\u00dflich messianisch ist. Ich bevorzuge diese Sichtweise immer noch, weil ich in Jesaja 9,6 sehe, dass uns ein Kind geboren wird. Ich sehe das als einen entscheidenden Hinweis auf die Identit\u00e4t des Kindes, der von Jesaja selbst gegeben wurde. Und beachte den vorangegangenen Vers 9,5: \u201ejeder Stiefel, der mit Gedr\u00f6hn dahergeht und jeder Mantel, durch Blut geschleift\u201c. Wie 7,14-17 scheint auch dies auf einen assyrischen Kontext hinzuweisen. Aber das kann nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher basiert mein Vorzug nicht in erster Linie auf Matth\u00e4us, sondern auf dem weiteren Kontext in Jesaja. Ich kann es aber vollkommen verstehen, falls du die andere L\u00f6sung bevorzugst. Denn es ist nicht einfach. In Zusammenfassung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schw\u00e4che von Fall A:<\/strong> Was macht man mit dem 8. Jahrhundert und den Bez\u00fcgen zu Butter und Honig, da sie durch die assyrische Invasion verursacht werden, die zu diesem \u00dcberfluss f\u00fchrt? Problematisch f\u00fcr diese Sichtweise ist der unmittelbare Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schw\u00e4che von Fall B:<\/strong> Sind die Kinder von 7:14 und 9:6 nicht identisch? Und warum legt Matth\u00e4us so viel theologisches Gewicht auf die \u201eJungfrau\u201c der Septuaginta? Problematisch f\u00fcr diese Sichtweise ist der weitere Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nicht untypisch: Egal, welche Option man w\u00e4hlt, am Ende gibt es einen Teil, vielleicht sogar mehr, der nicht passt. Es bleibt etwas, das unbefriedigend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gibt Folgendes: Im Schmelztiegel von Ahas&#8217; Scheitern und der assyrischen Krise h\u00e4lt Jesaja an der g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfung an David fest \u2013 Gott <em>wird<\/em> einen Weg finden, seine Verhei\u00dfung zu halten \u2013 und st\u00f6\u00dft auf eine L\u00f6sung: Gott selbst muss einen Sohn Davids bereitstellen, damit die Fortsetzung der Dynastie \u00fcberhaupt eine Chance hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch besser, obwohl Jesaja wahrscheinlich nicht so weit gedacht hat: Gott selbst wird dieser Sohn sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?resize=768%2C1024&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3447\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?resize=1152%2C1536&amp;ssl=1 1152w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/cals-133-dortmund-4882108_1920.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildnachweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Bilder von Pixabay, ausgenommen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2018Janus coin\u2019. 2007 &lt;<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Janus_coin.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Janus_coin.png<\/a>&gt; [Accessed 21 August 2026] Public domain<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literaturangaben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bibelzitate, wenn nicht anders angegeben: <em>Die Bibel nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers<\/em>. 1999. Revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend ich dies schreibe, arbeite ich an Vorlesungseinheiten f\u00fcr das Buch Jesaja. Sie richten sich an Studierende der Online-Version der School of Biblical Studies (SBS), werden aber jedem Interessenten zur Verf\u00fcgung stehen. Diese Ausgabe ist eine dieser Einheiten \u2013 um dir einen Vorgeschmack zu geben! 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