{"id":3421,"date":"2026-09-03T08:30:00","date_gmt":"2026-09-03T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/?p=3421"},"modified":"2026-07-18T11:13:20","modified_gmt":"2026-07-18T09:13:20","slug":"cals141","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2026\/09\/cals141\/","title":{"rendered":"Kontroverse Themen angehen III: Wer ist \u201eganz Israel\u201c (R\u00f6m. 11:26)?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier folgt der dritte Beitrag einer Serie, die aus der Bibliquip 4 Konferenz entstanden ist. Diese habe ich im Mai 2026 f\u00fcr unsere Bibelschulmitarbeiter in Europa mitorganisiert (siehe <a href=\"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2026\/07\/cals139\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kartierung<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2026\/08\/cals140\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wertequadrat<\/a>). Alle drei Beitr\u00e4ge suchen nach Wegen, kontroverse Themen zu behandeln. Diesmal ist der Ansatz, ein solches Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und m\u00f6glichst alle relevanten Belege und Informationen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Diesen Inhalt gibt es in Englisch auch als<\/em> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/hVB_Sj2SA4o\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">VIDEO PODCAST<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem handelt es sich hier um ein KI-Experiment. Es gibt eine Videoaufnahme meiner Vorlesung, die ich transkribieren lie\u00df. Die Qualit\u00e4t war schlecht; es enthielt viel Unverst\u00e4ndliches. Ich habe ChatGPT gebeten, das Transkript in einen lesbaren Entwurf umzuwandeln. Danach habe ich diesen Entwurf \u00fcberarbeitet. Hier ist das Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenige Stellen im Neuen Testament haben mehr Diskussion ausgel\u00f6st als die Aussage des Paulus in R\u00f6mer 11,26: \u201e\u2026 und so wird ganz Israel gerettet werden.\u201c Bezieht sich \u201eganz Israel\u201c auf die christliche Gemeinde, die aus Juden und Heiden zusammengesetzt ist? Bezeichnet es das j\u00fcdische Volk als eine ethnische Gemeinschaft? Falls Letzteres, erwartet Paulus eine zuk\u00fcnftige Massenbekehrung Israels? Oder beschreibt er einfach die Rettung eines \u00dcberrestes Israels?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Fragen lassen sich nicht beantworten, ohne den Kontext des Verses in Betracht zu ziehen. Die Aussage ist der H\u00f6hepunkt einer l\u00e4ngeren Darlegung, die in R\u00f6mer 9 beginnt und sich in Kapitel 10 und 11 fortsetzt. Nur wenn wir diese Argumentation sorgf\u00e4ltig analysieren, haben wir eine Chance zu verstehen, was Paulus meint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag betrachtet daher die Argumentation in R\u00f6mer 9-11 im Detail und legt besonderen Wert auf die Bedeutung, die der Begriff <em>Israel<\/em> hat. Anstatt den Text aus der Perspektive sp\u00e4terer theologischer Systeme zu betrachten \u2013 sei es Ersatztheologie, christlicher Zionismus oder eine der Zwischenpositionen \u2013 stellen wir eine einfache Frage: <strong>Wie verwendet Paulus den Begriff <em>Israel<\/em>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der R\u00f6merbrief: Das Evangelium f\u00fcr Juden und Heiden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00f6merbrief wird oft haupts\u00e4chlich als systematische Darstellung des Evangeliums gelesen, was der Brief auch ist. Gleichzeitig schreibt Paulus mit einem besonderen pastoralen Anliegen im Blick: der Beziehung zwischen j\u00fcdischen und heidnischen Gl\u00e4ubigen innerhalb der Gemeinden in Rom.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im gesamten Brief kehrt Paulus immer wieder zu diesem Thema zur\u00fcck. Seine ber\u00fchmte Zusammenfassung des Evangeliums enth\u00e4lt das Thema bereits: Das Evangelium ist \u201eeine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen\u201c (R\u00f6m. 1,16). Diese doppelte Betonung ist nicht nebens\u00e4chlich. Sie bereitet den Leser auf eine der zentralen Fragen vor, die sich durch den gesamten Brief ziehen: Wie stehen Juden und Heiden zueinander in der Gemeinde Jesu?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst in den Kapiteln 14 und 15 spricht Paulus die Spannungen zwischen Juden- und Heidenchristen in Rom direkt an. Lange vorher legt er jedoch bereits die theologischen Grundlagen f\u00fcr seinen pastoralen Appell. Manchmal betont er Gottes fortw\u00e4hrende Treue zu Israel. An anderen Stellen betont er die vollst\u00e4ndige Einbeziehung der Heiden und ihre Gleichwertigkeit. Er schafft es, beide Wahrheiten stehen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In R\u00f6mer 9-11 steht das Thema Juden und Heiden, Israel und Gemeinde, theologisch im Zentrum. Hier behandelt Paulus eine wichtige Frage, die sich aus seiner Darstellung des Evangeliums ergibt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn Israel Gottes auserw\u00e4hltes Volk war, wie kann es sein, dass so viele Juden Jesus nicht als Messias erkannt haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist nicht nur ein historisches R\u00e4tsel. Es geht um grundlegende Fragen \u00fcber Gottes Treue, die Identit\u00e4t seines Volkes und die Zukunft Israels.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00f6mer 9: Nicht Israeliten sind Israel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Antwort des Paulus ist \u00fcberraschend. Er besteht darauf, dass Israels gegenw\u00e4rtige Haltung Gott nicht \u00fcberrascht hat. Tats\u00e4chlich geh\u00f6rt sie zu Gottes souver\u00e4nen Absichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus beginnt das Kapitel mit tiefer Trauer um sein eigenes Volk. Er z\u00e4hlt Israels au\u00dfergew\u00f6hnliche Privilegien auf: die Kindschaft, die Herrlichkeit, die Bundesschl\u00fcsse, das Gesetz, den Gottesdienst, die Verhei\u00dfungen, die Patriarchen und schlie\u00dflich den Messias selbst, der menschlich gesehen aus Israel stammte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz dieser Privilegien haben viele Israeliten Christus abgelehnt. Hat Gottes Wort also versagt? Die Antwort des Paulus ist ein entschiedenes <em>Nein<\/em>: \u201eDenn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen\u201c (R\u00f6m. 9:6).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Aussage wurde oft so verstanden, als w\u00fcrde Paulus Israel einfach neu definieren als die Gemeinde. Der Text ist jedoch subtiler als das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus trennt tats\u00e4chlich ethnische Identit\u00e4t und Anteil an den Verhei\u00dfungen. Die reine biologische Abstammung von Abraham hat das Teilhaben an Gottes Rettung und Segen nie garantiert. Im Laufe der Geschichte Israels hat Gott unterschieden zwischen Isaak und Ismael, Jakob und Esau und wiederholt zwischen Treuen und Untreuen innerhalb Israels selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus sagt also ausdr\u00fccklich, dass <strong>nicht jeder ethnische Israelit zu jenem Israel geh\u00f6rt, das die Verhei\u00dfungen Gottes erbt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beachte jedoch, was er <em>nicht<\/em> sagt. Er schlie\u00dft daraus nicht, zumindest nicht hier, dass heidnische Gl\u00e4ubige deswegen zu Israel geh\u00f6ren. Dass dies so sei, wird oft angenommen, aber Paulus selbst zieht diese Schlussfolgerung hier nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter im Kapitel spricht er von denen, die Gott berufen hat, \u201enicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden\u201c (R\u00f6m. 9,24). Heiden geh\u00f6ren nun zweifellos zu Gottes Volk: \u201eIch will das mein Volk nennen, das nicht mein Volk war\u201c (R\u00f6mer 9,25).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber da zeigt sich ein wichtiger Unterschied. Paulus spricht vom <strong>Volk Gottes<\/strong>. Er sagt nicht ausdr\u00fccklich, dass Heiden dadurch auch zu <strong>Israel <\/strong>geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung ist leicht zu \u00fcbersehen, doch sie erweist sich in R\u00f6merbrief 9-11 und im Blick auf Israel und Gemeinde als entscheidend. Wir besch\u00e4ftigen uns mit drei verwandten Begriffen, nicht nur zwei:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Israel<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Das Volk Gottes<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Die Gemeinde<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Begriffe \u00fcberschneiden sich, aber f\u00fcr Paulus sind sie nicht identisch. Eine der Hauptherausforderungen bei der Auslegung von R\u00f6mer 9-11 besteht genau darin, festzustellen, wie diese Begriffe miteinander in Beziehung stehen. R\u00f6mer 9 schr\u00e4nkt dabei die Definition Israels in einem Punkt ein: Nicht jeder ethnische Israelit erbt die Verhei\u00dfung allein auf Grund seiner biologischen Abstammung. Doch der Text geht nicht so weit, dass der Begriff <em>Israel <\/em>aufHeidenchristen ausgeweitet wird. Gelten die Heiden in Christus als Israel? Diese Frage bleibt offen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">R\u00f6mer 10 und 11: Hat Gott sein Volk versto\u00dfen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00f6mer 10 setzt die Erkl\u00e4rung f\u00fcr Israels gegenw\u00e4rtigen Unglauben fort. Obwohl Israel die Gerechtigkeit mit gro\u00dfem Eifer verfolgt hat, ist es ihm nicht gelungen, sie zu erreichen, weil es sie nicht durch den Glauben an Christus gesucht hat. Dieses Kapitel erkl\u00e4rt<em>, wie<\/em> Israel zu seinem heutigen Status gelangt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel 11 stellt jedoch eine andere Frage: Hat Gott sein Volk versto\u00dfen? Die Antwort verneint das mit Nachdruck: \u201eDas sei Ferne!\u201c (R\u00f6m. 11,1). Auf den ersten Blick scheint die Antwort eindeutig: Israel ist immer noch Gottes Volk. Es stellt sich aber die Frage, was das genau hei\u00dft bei allem, was Paulus in R\u00f6mer 9-11 sonst noch sagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immerhin: Im gesamten Kapitel 11 spricht Paulus weiterhin \u00fcber Israel als eine erkennbare historische und ethnische Gemeinschaft. Was ist aber Gottes Verh\u00e4ltnis zu dieser Gemeinschaft? Paulus zieht keine von zwei denkbaren, aber gegens\u00e4tzlichen Schlussfolgerungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einerseits kann das ungl\u00e4ubige Israel nicht einfach als bereits erl\u00f6st betrachtet werden, nur weil es den Sinai-Bund und die urspr\u00fcngliche Erw\u00e4hlung hat. Der Glaube an Christus bleibt unentbehrlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits kommt Paulus auch nicht zum Schluss, dass Israel als Volk dauerhaft ausgeschlossen wurde. Die gesamte Diskussion deutet auf eine komplexere Zwischenposition hin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gestrauchelt, nicht gefallen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In R\u00f6mer 11,11 stellt Paulus eine weitere entscheidende Frage, die genau das klarmacht: \u201eSind sie gestrauchelt, damit sie fallen?\u201c Anders gesagt (so z.B. die NIV): Sind sie so gestrauchelt, dass sie nicht mehr zu retten sind? Auch hier ist seine Antwort eindeutig: \u201eDas sei ferne!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Israel ist nicht so definitiv gestrauchelt und gefallen, dass keine Wiederherstellung mehr m\u00f6glich ist. Israel ist weder endg\u00fcltig verworfen, noch ist es Gottes Volk ohne Wenn und Aber. Die Sprache, die Paulus in diesem Abschnitt verwendet, verdient sorgf\u00e4ltige Aufmerksamkeit; w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Israel ist gestrauchelt.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Israel hat eine \u00dcbertretung (oder ein Verbrechen) begangen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Israel hat versagt.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">In R\u00f6mer 11,15 spricht Paulus sogar von Israels Verwerfung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick klingen diese Ausdr\u00fccke v\u00f6llig negativ. Bemerkenswerterweise stellt Paulus sie jedoch nicht als das Ende der Geschichte Israels dar. Stattdessen markieren sie den Beginn einer neuen Phase in der Heilsgeschichte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Israels Versagen hat den Heiden Reichtum gebracht.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Israels \u00dcbertretung hat die T\u00fcre ge\u00f6ffnet, damit das Evangelium sich in den Nationen verbreiten kann.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass Israels Unglaube an sich irgendwie gut war. Vielmehr staunt Paulus \u00fcber Gottes F\u00e4higkeit, aus Israels Versagen Segen hervorzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das Scheitern ist nicht das Ende. Paulus weist wiederholt \u00fcber Israels gegenw\u00e4rtige Lage hinaus auf etwas, das noch kommen wird:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Er spricht nicht nur von Israels Versagen und \u00dcbertretung, sondern auch von seiner<strong> F\u00fclle <\/strong>(Lutherbibel: volle Zahl).<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Er spricht nicht nur von Israels Verwerfung, sondern auch von seiner<strong> Annahme<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Begriffe deuten darauf hin, dass Paulus f\u00fcr Israels Zukunft etwas Besseres erwartet. Was das genau sein soll, wird schon lange diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Satz hat besondere Aufmerksamkeit erregt: \u201eWas wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten!\u201c (R\u00f6m. 11,15). Manche verstehen dies als Anspielung auf ein eschatologisches Ereignis unmittelbar vor der R\u00fcckkehr Christi. Diese Interpretation erscheint unwahrscheinlich. Warum <em>dann<\/em>, warum <em>diese<\/em> Juden? Ist f\u00fcr ihr Heil dann am Ende doch die j\u00fcdische Ethnizit\u00e4t ausreichend?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem beschreibt Paulus im gesamten Kapitel konsequent einen historischen Prozess statt eines pl\u00f6tzlichen apokalyptischen Eingreifens:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Israels Straucheln f\u00fchrt zur Rettung der Heiden.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Ihre Rettung wiederum soll Israel zur Eifersucht und zum Nacheifern reizen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Diese Eifersucht f\u00fchrt dann viele Juden zum Glauben an Christus.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beschreibt kein Ereignis, sondern einen Prozess. Paulus erwartet nicht einfach ein dramatisches Wunder am Ende der Geschichte. Er sieht sich durch seinen eigenen Dienst aktiv an diesem Prozess beteiligt. Das erkl\u00e4rt sogar, warum er sich so leidenschaftlich der Predigt unter den Heiden widmet: \u201e\u2026 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten k\u00f6nnte\u201c (R\u00f6m. 11,14).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Aussage ist bedeutsam. Paulus glaubt offenbar, dass die Bekehrung der Heiden selbst Teil von Gottes Strategie ist, Israel zu ihm zur\u00fcckzubringen. Die Gemeinde ist also nicht nur der Nutznie\u00dfer von Israels Versagen. Sie wird auch zu Gottes Instrument f\u00fcr die letztliche Wiederherstellung Israels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider ist die Gemeinde in der Geschichte genau an diesem Punkt oft gescheitert. Anstatt Israel zu Eifersucht zu provozieren, haben Christen die Juden feindselig und ver\u00e4chtlich behandelt. Die Vision des Paulus hingegen ist eine, in der gl\u00e4ubige Heiden so offensichtlich Gottes Barmherzigkeit erleben w\u00fcrden, dass viele Juden die Botschaft Jesu neu \u00fcberdenken w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Erwartung bereitet den Weg f\u00fcr das Bild des \u00d6lbaums und letztlich f\u00fcr die Aussage, \u201eund so wird ganz Israel gerettet werden\u201c (R\u00f6m. 11:26)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"300\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?resize=225%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3418\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?resize=1152%2C1536&amp;ssl=1 1152w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-hans-tribe-1117671_1920.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der \u00d6lbaum: Ein einziges Volk Gottes<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In R\u00f6mer 11,17-24 pr\u00e4sentiert Paulus eines der einpr\u00e4gsamsten Bilder im R\u00f6merbrief: den \u00d6lbaum. Diese Metapher spielt eine zentrale Rolle in Diskussionen \u00fcber Israel und die Gemeinde, doch \u00fcberraschenderweise l\u00e4sst Paulus den Baum undefiniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptaussage der Metapher ist klar genug. Einige der nat\u00fcrlichen \u00c4ste sind wegen Unglaubens abgebrochen. Wilde Olivenzweige \u2013 also gl\u00e4ubige Nichtjuden \u2013 wurden eingepfropft. Die Absicht des Paulus ist es, Heidenchristen vor Arroganz gegen\u00fcber Juden zu warnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig zeigt das Bild, dass die nat\u00fcrlichen \u00c4ste nicht hoffnungslos verdorren. Wenn sie nicht im Unglauben verharren, kann Gott sie wieder einpfropfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wie bereits erw\u00e4hnt, bleibt eine wichtige Frage unbeantwortet: <strong>Was genau repr\u00e4sentiert der \u00d6lbaum? <\/strong>Viele Leser gehen einfach davon aus, dass der Baum Israel darstellt. Manche denken an die Erzv\u00e4ter Israels. Andere verstehen den Baum als das Volk Gottes Wieder andere, die noch einen kleinen Schritt weiter gehen, argumentieren, dass sie die \u201eGemeinde\u201c des Alten und Neuen Testaments repr\u00e4sentiert \u2013 und damit heute einfach die christliche Gemeinde selbst darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorstellung, dass der Baum das Volk Gottes repr\u00e4sentiert, passt m.E. am besten. Alles beginnt mit den Erzv\u00e4tern, insbesondere Abraham, als Wurzel. Aus seinem Glauben ging Israel als Nation hervor. Die Heidengl\u00e4ubigen sind zweifellos Teil dieses \u00d6lbaums. Die Metapher umfasst somit mehr als das ethnische Israel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das stimmt, repr\u00e4sentiert der \u00d6lbaum das Bundesvolk Gottes durch die Geschichte hindurch. Heidenchristen sind durch den Glauben in dieses Volk integriert. Sie werden keine Mitglieder zweiter Klasse. Sie stehen auch nicht einfach neben Israel als zweites Gebilde. Sie nehmen voll an der reichen Wurzel teil, die den Baum n\u00e4hrt und sind Teil dieses Baumes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch ist es wichtig, zu beachten, was Paulus <em>nicht<\/em> sagt. Obwohl Heiden in den \u00d6lbaum eingepfropft wurden und Teil des Gottesvolkes sind, sagt Paulus nicht ausdr\u00fccklich, dass sie dadurch <strong>Israel <\/strong>werden. Diese Beobachtung ist f\u00fcr die Auslegung von R\u00f6mer 11,26 von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In R\u00f6mer 9-11 sowie an anderen Orten scheint Paulus zwischen der Identit\u00e4t als Gottes Volk und der Zugeh\u00f6rigkeit zu Israel als ethnische Gemeinschaft zu unterscheiden. Die beiden Bezeichnungen \u00fcberschneiden sich, sind aber nicht einfach identisch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die nat\u00fcrlichen Zweige bleiben Israel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Metapher beleuchtet auch einen weiteren wichtigen Punkt. Obwohl manche der nat\u00fcrlichen \u00c4ste abgebrochen wurden, h\u00f6ren sie damit nicht auf, Israel zu sein (siehe R\u00f6m. 11,25). Sie haben zwar ihre Teilnahme am n\u00e4hrenden Leben des Baumes verloren. Aber sie verlieren nicht ihre ethnische Identit\u00e4t. Tats\u00e4chlich h\u00e4ngt die M\u00f6glichkeit, dass sie erneut eingepflanzt werden, von dieser fortw\u00e4hrenden Identit\u00e4t ab. Israel existiert weiterhin als erkennbares Volk.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?resize=1024%2C683&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3419\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/cals-141-ulleo-olive-tree-3662627_1280.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eDie F\u00fclle der Heiden\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer wichtiger Ausdruck erscheint unmittelbar vor der zentralen Aussage, \u201eund so wird ganz Israel gerettet werden\u201c. Paulus spricht von einer Verstockung, die einem Teil Israels widerfahren ist, so lange bis <strong>die F\u00fclle der Heiden<\/strong> zum Heil gelangt ist\u201c (R\u00f6m. 11,25).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder f\u00fchrt Paulus einen Begriff ein, den er nicht definiert. Was ist diese \u201eF\u00fclle der Heiden\u201c? Bezieht sich das auf eine von Gott festgelegte Zahl? Oder geht es um eine gro\u00dfe Menge der Heiden, die Gott in sein Reich bringen will? Paulus beantwortet diese Frage nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist jedoch die parallele Sprache, die er verwendet. Vorher hat er bereits von <strong>der F\u00fclle<\/strong> <strong>Israels <\/strong>gesprochen (R\u00f6m. 11,12). Jetzt spricht er von <strong>der F\u00fclle der Heiden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Parallele muss Absicht sein. Was auch immer Paulus genau mit \u201eF\u00fclle\u201c meint, er wendet denselben Ausdruck auf beide Gruppen an. Die Symmetrie ist auff\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beobachtung sollte uns davon abhalten, \u201eganz Israel\u201c in Vers 26 zu verstehen, als ginge es zwangsl\u00e4ufig um jeden einzelnen Juden ohne Ausnahme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wie \u201edie F\u00fclle der Heiden\u201c nicht hei\u00dft, dass jeder nicht-Jude zum Glauben kommt, so muss \u201eganz Israel\u201c oder \u201edie F\u00fclle Israels\u201c nicht jeden einzelnen Israeliten einschlie\u00dfen, sondern betrifft Israel insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Israels Versagen bringt den Heiden Erl\u00f6sung. Die Rettung der Heiden wird wiederum zum Mittel, durch das Israel zur Einkehr gebracht wird. Wie in R\u00f6mer 11,30-32 sichtbar wird, erwartet Paulus, dass Juden und Heiden gleicherma\u00dfen Empf\u00e4nger g\u00f6ttlicher Barmherzigkeit werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind nun bereit f\u00fcr die zentrale Aussage von Vers 26, in der alle F\u00e4den zusammenkommen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8220;Und so wird ganz Israel gerettet&#8221;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenige Worte in den Briefen des Paulus haben mehr Debatten ausgel\u00f6st als diese:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die F\u00fclle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden (R\u00f6m. 11,25f)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer ist \u201e<strong>ganz Israel<\/strong>\u201c? Im Gro\u00dfen und Ganzen haben zwei Hauptinterpretationen die Auseinandersetzung dominiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste versteht \u201eganz Israel\u201c als die Gemeinde, bestehend aus gl\u00e4ubigen Juden und Heiden zusammen. Nach dieser Sichtweise verwendet Paulus \u201eIsrael\u201c hier in einem neu definierten oder erweiterten Sinn. Das wahre Israel ist das Volk Gottes in Christus, unabh\u00e4ngig von ethnischer Herkunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite versteht \u201eganz Israel\u201c als Bezeichnung f\u00fcr das j\u00fcdische Volk. Paulus \u00e4u\u00dfert demnach die Erwartung, dass Israel als Volk noch eine Zukunft hat in Gottes Plan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Ansichten versuchen, dem R\u00f6merbrief gerecht zu werden. Die Frage ist, welche Auslegung am besten zum Verlauf von R\u00f6mer 9-11 passt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie Paulus \u201eIsrael\u201c verwendet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder bezieht sich das Wort <em>Israel <\/em>in R\u00f6mer 9-11 auf das j\u00fcdische Volk als ethnische Glaubensgemeinschaft. Das wirft eine offensichtliche Frage auf. Warum sollte der Ausdruck <strong>\u201eganz Israel\u201c<\/strong> in Vers 26 pl\u00f6tzlich eine andere Bedeutung haben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine solche Ver\u00e4nderung ist zwar nicht undenkbar. In dieser Deutung wird das Wort <strong><em>ganz<\/em> <\/strong>als Signal verstanden, dass \u201eIsrael\u201c hier eine andere Bedeutung hat als vorher. Zusammen mit dem Bild vom \u00d6lbaum gilt es als Hinweis, dass es jetzt um ein gr\u00f6\u00dferes oder erweitertes Israel geht. Dieses Israel schlie\u00dft sowohl Judenchristen wie auch Heidenchristen mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontext von R\u00f6mer 9-11 deutet jedoch eher auf die alternative Deutung hin, in der es weiterhin um das Volk Israel geht. Sein Schicksal ist ja das eigentliche Anliegen des Paulus:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Wie hat Israel auf den Messias reagiert?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Hat Gott Israel verworfen?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Welche Zukunft bleibt f\u00fcr Israel?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema \u00e4ndert sich nicht. Es geht durchgehend um dieselbe ethnisch bedingte Gemeinschaft. Es ist unwahrscheinlich, dass die ersten \u201eLeser\u201c, die diesen Brief <em>h\u00f6rten<\/em>, indem er vorgelesen wurde, \u201eIsrael\u201c in Vers 26 pl\u00f6tzlich anders verstanden h\u00e4tten als \u00fcberall sonst im R\u00f6merbrief.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist wahrscheinlicher, dass dasselbe Israel, dessen Unglauben Paulus in den Kapiteln 9-11 bespricht, nun das Israel ist, das gerettet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Jude automatisch gerettet wird, unabh\u00e4ngig von seiner pers\u00f6nlichen Reaktion auf Christus. Wir haben gesehen, dass Paulus von der<strong> F\u00fclle der Heiden<\/strong> und der<strong> F\u00fclle Israels<\/strong> spricht, eine klare Symmetrie. Es geht um Israel insgesamt. Einzelne Israeliten k\u00f6nnen das Evangelium weiterhin ablehnen, genauso wie einzelne Heiden es ablehnen k\u00f6nnen. Dennoch erwartet Paulus eine Zukunft, in der Israel als Volk viel umfassender an Gottes Rettung teilnimmt als bisher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eSie sind Feinde\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00f6mer 11,28 best\u00e4tigt, dass Paulus durchgehend an das ethnische Israel denkt: \u201eIm Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erw\u00e4hlung sind sie Geliebte um der V\u00e4ter willen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sind \u201e<strong>sie<\/strong>\u201c in Vers 28? Offensichtlich Juden. Wichtig ist: Paulus definiert nicht, auf wen sich dieses F\u00fcrwort bezieht; der Bezug wechselt nicht. Deswegen k\u00f6nnen vorher, in R\u00f6mer 11,26f, kaum andere gemeint sein. Das hei\u00dft, diejenigen, deren S\u00fcnden weggenommen werden, Jakob, und \u201eganz Israel\u201c beziehen sich alle auf dieselbe Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eUnd so\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch einmal zur\u00fcck zu Vers 26. Wir sollten die ersten Worte des Verses nicht \u00fcbersehen. Paulus sagt nicht: <strong>\u201eUnd dann&#8230;\u201c<\/strong>,sondern:<strong> \u201eUnd so&#8230;\u201c<\/strong> Es geht nicht um <em>wann<\/em>, sondern um <em>wie<\/em>. Paulus k\u00fcndigt kein zuk\u00fcnftiges Ereignis an, das von allem, was ihm vorausgeht, losgel\u00f6st ist. Stattdessen verweist er auf den Prozess, den er in R\u00f6mer 11,11-15 schon beschrieben hat:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Israels Versagen f\u00fchrt zur Rettung f\u00fcr die Heiden.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Die Rettung der Heiden provoziert in Israel Eifersucht.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Diese Eifersucht wird zum Mittel, durch das viele Juden zum Glauben gef\u00fchrt werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht nicht um ein eigenst\u00e4ndiges Wunder am Ende der Geschichte. Es geht um einen Prozess, der bereits durch den Einsatz des Paulus stattfindet. Beachten wir die Wiederholung des Wortes <strong>\u201ejetzt\u201c <\/strong>oder<strong> \u201enun\u201c<\/strong> in R\u00f6mer 11,30f. All das geschieht bereits <strong>\u201ejetzt\u201c<\/strong> \u2013 also vor fast 2000 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gesamte Prozess zeigt die Weisheit und Barmherzigkeit Gottes. Gott ersetzt Israel nicht durch die Heiden, sondern benutzt beide nacheinander als Werkzeug, um den jeweils anderen zu segnen. Hier geht es nicht um Ersatz, sondern um gegenseitige Barmherzigkeit:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, <strong>nun<\/strong> aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene <strong>jetzt<\/strong> ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie <strong>jetzt<\/strong> Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme. (R\u00f6m. 11,30-32; Hervorhebung hinzugef\u00fcgt)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Paulus-Zitat aus Jesaja<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wir greifen uns selbst vor. Unmittelbar nachdem Paulus erkl\u00e4rt, dass \u201eganz Israel gerettet werden\u201c wird und bevor er \u00fcber Gottes Barmherzigkeit in Euphorie ger\u00e4t, st\u00fctzt Paulus seine Aussage in Vers 26 mit einem Zitat aus Jesaja:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie geschrieben steht: \u201eEs wird kommen aus Zion der Erl\u00f6ser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre S\u00fcnden wegnehmen werde.\u201c (R\u00f6m. 11,26f)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick scheint das Zitat die verbreitete Erwartung einer Endzeitbekehrung Israels zu verst\u00e4rken. Viele Leser verstehen Paulus so, dass der Vers sich auf die Wiederkunft Christi bezieht, der die zuk\u00fcnftige Bekehrung Israels herbeif\u00fchren wird. Aber das Zitat wirft Fragen auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Paulus zitiert Jesaja ungenau<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Beobachtung ist \u00fcberraschend. Paulus gibt Jesaja nicht w\u00f6rtlich wieder. Seine Hauptquelle ist Jesaja 59,20f, mit Ankl\u00e4ngen von Jesaja 27,9, aber Paulus passt die Formulierung in bedeutender Weise an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesaja sagt (so w\u00f6rtlich): \u201e<strong><em>nach<\/em> Zion<\/strong> wird er als Erl\u00f6ser kommen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus schreibt: \u201eEs wird kommen <strong><em>aus<\/em> Zion<\/strong> der Erl\u00f6ser\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied ist kein Zufall. Paulus hat absichtlich die Richtung des kommenden Befreiers ge\u00e4ndert. Die Frage ist, warum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Paulus lediglich beabsichtigte, Jesajas Prophezeiung als unerf\u00fcllte Vorhersage zu wiederholen, ist es schwer zu erkl\u00e4ren, warum er den Text genau an dieser Stelle modifiziert. Die Ver\u00e4nderung impliziert, dass Paulus Jesaja im Licht des vollendeten Werkes Christi liest.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine in Christus erf\u00fcllte Verhei\u00dfung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Rest des Zitats deutet in dieselbe Richtung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Gottlosigkeit wird von Jakob abgewendet.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Er spricht von Gottes Bund.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Ihre S\u00fcnden werden weggenommen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Themen bilden das Herz des Evangeliums, das Paulus im R\u00f6merbrief darlegt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Christus ist bereits gekommen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Der neue Bund wurde eingeweiht.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"\">Die Vergebung der S\u00fcnden wurde durch den Tod und die Auferstehung Christi verwirklicht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts davon wartet noch auf Erf\u00fcllung. Das deutet darauf hin, dass dieses Zitat anders zu verstehen ist. Paulus verweist auf das erl\u00f6sende Werk, das bereits in Christus vollbracht wurde, w\u00e4hrend er gleichzeitig darauf besteht, dass dieses Werk in Bezug auf Israel sein beabsichtigtes Ziel noch nicht vollst\u00e4ndig erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit andern Worten: Die Verhei\u00dfung wurde erf\u00fcllt, aber ihre vollst\u00e4ndige Anwendung auf Israel steht noch aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine unvollendete Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Auslegung passt gut zum Gedankengang in R\u00f6mer 11. Paulus beschreibt einen historischen Prozess, der bereits im Gange ist. Das gilt auch f\u00fcr das Zitat aus Jesaja: Der Erl\u00f6ser ist gekommen. Es ist tragisch, dass so viele in Israel das nicht wahrgenommen haben. Doch Paulus weigert sich daraus zu schlie\u00dfen, dass diese Geschichte damit zu Ende ist. <strong>Diese gro\u00dfe Erl\u00f6sung muss auch auf das j\u00fcdische Volk insgesamt eine Anwendung finden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende rettende Handlung liegt in der Vergangenheit, im Tod und in der Auferstehung Jesu, nicht in einem zuk\u00fcnftigen Erl\u00f6sungsereignis. Was in der Zukunft liegt, ist kein neues Heilswerk, sondern die breitere Anwendung einer bereits verwirklichten Erl\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte ist noch nicht fertig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Theologische Konsequenzen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in diesem Beitrag vorgeschlagene Auslegung l\u00f6st nicht alle Fragen rund um Israel und die Gemeinde. Ebenso wenig erkl\u00e4rt sie jede Schwierigkeit in R\u00f6mer 9-11. Paulus l\u00e4sst bestimmte Begriffe undefiniert, und es w\u00e4re unklug, gr\u00f6\u00dfere Gewissheit zu beanspruchen, als es die Worte des Apostels selbst zulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch treten mehrere Schlussfolgerungen mit gr\u00f6\u00dferer Klarheit hervor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens l\u00e4sst R\u00f6mer 11 keinen Raum f\u00fcr zwei unterschiedliche Heilswege f\u00fcr Juden und Heiden. Derselbe Erl\u00f6ser kam sowohl f\u00fcr Juden als auch f\u00fcr Heiden. Im gesamten Brief verk\u00fcndet Paulus konsequent die Rechtfertigung allein durch den Glauben an Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig verneint Paulus eindeutig, dass Israels Geschichte zu Ende ist. Gott hat sein Volk nicht versto\u00dfen; es wird seine Barmherzigkeit erleben wie nie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies hat wichtige Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Israel und der Gemeinde. Glaubende Heiden sind vollst\u00e4ndig in Gottes Bundesvolk integriert. Sie haben Anteil an derselben Wurzel. Sie sind Miterben der Verhei\u00dfungen. In diesem Sinne wurde das Volk Gottes tats\u00e4chlich um die Nationen erweitert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch sagt Paulus nicht, dass die Gemeinde jetzt Israel ist. Diese Beobachtung verdient Aufmerksamkeit. Volk Gottes ja, aber nicht Israel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Paulus sieht ein einziges Volk Gottes, das sich um Christus zentriert und in Gottes Verhei\u00dfung und Bund verwurzelt ist, w\u00e4hrend er gleichzeitig weiterhin von Israel als ein erkennbares historisches Volk spricht, dessen Geschichte noch nicht zu Ende ist. In Gottes Zukunft gibt es einen Platz f\u00fcr Israel unter den Nationen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erweiterung und Inklusion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00f6mer 11 f\u00fchrt meiner Ansicht nach somit zu dem, was man am besten als <strong>Inklusions-Theologie<\/strong> bezeichnen k\u00f6nnte. Das Evangelium f\u00fchrt nicht dazu, dass Israel durch die V\u00f6lker ersetzt wird. Ebenso wenig gehen Judenchristen und Heidenchristen getrennte Wege. Vielmehr erfahren die Nationen Gnade durch Israels Messias und werden in das Volk Gottes aufgenommen, w\u00e4hrend dieselbe Gnade weiterhin Israels Wiederherstellung (zu Gott!) und Errettung sucht. Das Ergebnis ist weder Ausschluss noch Ersatz, sondern Inklusion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus erkennt eine bemerkenswerte Gegenseitigkeit, eine wundersch\u00f6ne Symmetrie: Israels Versagen ebnet den Weg zur Rettung der V\u00f6lker. Das Heil der V\u00f6lker wird dann zu Gottes Werkzeug, um Israel zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die F\u00fclle beider wird zum Heil gelangen. Gott will sich aller erbarmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Christus bilden Juden und Heiden zusammen \u201esein Volk\u201c (Sach. 2,11; Offb. 21,3). Gemeinsam verherrlichen sie Gott f\u00fcr seine Barmherzigkeit, w\u00e4hrend sie staunen \u00fcber die Weisheit Gottes, die Israels Versagen, das Heil der V\u00f6lker und die Erl\u00f6sung Israels zu einer zusammenh\u00e4ngenden Gnadengeschichte verweben kann:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! (R\u00f6m. 11,33)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildnachweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Bilder stammen von Pixabay (CC0)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literaturangaben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bibelzitate, wenn nicht anders angegeben: <em>Die Bibel nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers<\/em>. 1999. Revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier folgt der dritte Beitrag einer Serie, die aus der Bibliquip 4 Konferenz entstanden ist. Diese habe ich im Mai 2026 f\u00fcr unsere Bibelschulmitarbeiter in Europa mitorganisiert (siehe Kartierung und Wertequadrat). Alle drei Beitr\u00e4ge suchen nach Wegen, kontroverse Themen zu behandeln. 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