{"id":3330,"date":"2026-04-02T08:30:00","date_gmt":"2026-04-02T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/?p=3330"},"modified":"2026-02-25T12:25:15","modified_gmt":"2026-02-25T11:25:15","slug":"cals136","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2026\/04\/cals136\/","title":{"rendered":"Wer hat Gott auf eine Mission geschickt?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"\">Diesmal eine Buchempfehlung: Falls du bereit bist, in diesem Jahr mindestens ein \u201eernsthaftes\u201c Buch zu lesen, vielleicht sollte es Christopher Wrights <a href=\"https:\/\/amzn.to\/4txklP4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>The Mission of God: Unlocking the Bible\u2019s Grand Narrative<\/em><\/a> sein [in Deutsch: Die Mission Gottes: Die gro\u00dfe Geschichte der Bibel entschl\u00fcsseln; bezahlter Link], das im Oktober vergangenen Jahres in einer zweiten, \u00fcberarbeiteten Auflage erschienen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Diesen Inhalt gibt es in Englisch auch als<\/em> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/SbJM_SxI0oA\">VIDEO PODCAST<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-medium\"><a href=\"https:\/\/amzn.to\/4txklP4\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"300\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-81T8gin4jlL._SY425_.jpg?resize=200%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3328\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-81T8gin4jlL._SY425_.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-81T8gin4jlL._SY425_.jpg?w=283&amp;ssl=1 283w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"\">In diesem Buch versucht Wright zu zeigen, dass Gottes Mission \u2013 die Erl\u00f6sung und Wiederherstellung der gesamten Sch\u00f6pfung durch Christus \u2013 das zentrale, einigende Thema der ganzen Bibel ist. In der Schrift ist Mission nicht nur ein Thema unter vielen. Sie bietet einen Rahmen, um die Bibel als Ganzes zu lesen und zu verstehen. Dadurch wird sichtbar, wie Vorstellungen wie Monotheismus, Sch\u00f6pfung, Bund und Heil alle aus Gottes Absicht hervorgehen, um sich allen V\u00f6lkern zu offenbaren. Wright argumentiert dar\u00fcber hinaus, dass diese Perspektive die Bibel erschlie\u00dft, als die Geschichte von <em>Gottes Volk<\/em> \u2013 ein Volk, das sich im Einklang mit dem g\u00f6ttlichen Ziel f\u00fcr die Welt einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Mit anderen Worten: Wright betrachtet die gesamte Bibel als zusammenh\u00e4ngende Geschichte Gottes, der sich aufmacht, die Welt zu retten. Das gelingt dem Buch au\u00dferordentlich gut; es ist eine wunderbare Lekt\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Mission Gottes?<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Ich habe nur einen gr\u00f6\u00dferen Einwand gegen das Buch und der betrifft seinen Titel. Begriffe wie <em>die Mission Gottes<\/em> und <em>missional<\/em> [das Adjektiv zum Substantiv <em>Mission<\/em>] sind in theologischen Kreisen seit einiger Zeit sehr in Mode. Mir gef\u00e4llt diese Formulierung aber nicht.<strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Ist Gott auf einer Mission? Das Wort <em>Mission<\/em> legt nahe, dass jemand gesandt wurde. Die betreffende Person hat einen Auftrag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Das muss nicht immer so sein. Wir k\u00f6nnen das Wort auch freier verwenden, etwa f\u00fcr ein gro\u00dfes Lebensziel: \u201eEr sieht das als seine Mission.\u201c Oder eine Mission kann selbst gew\u00e4hlt sein, sodass es keinen Auftraggeber gibt. Doch die gel\u00e4ufigere Bedeutung schlie\u00dft ein, dass jemand mit einem Auftrag ausgesandt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Es wird noch problematischer. Wenn wir erkennen, dass diese \u00fcbliche Bedeutung hier nicht zutrifft \u2013 niemand hat Gott auf eine Mission geschickt \u2013, dann f\u00fcgt die neumodische Wendung nichts hinzu. Sie bedeutet schlicht <em>Absicht<\/em> oder <em>Ziel<\/em>. Gott hat ein Ziel. \u00dcberall, wo der Ausdruck <em>die Mission Gottes <\/em>erscheint, kann er durch <em>Gottes<\/em> <em>Absicht<\/em>, <em>Gottes<\/em> <em>Plan<\/em> oder <em>Gottes<\/em> <em>Ziel<\/em> ersetzt werden. <em>Mission<\/em> f\u00fcgt nichts hinzu. Die Formulierung ist \u00fcberfl\u00fcssig und sogar etwas irref\u00fchrend; sie verdeckt mehr, als dass sie Klarheit schafft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Wright r\u00e4umt das selbst ein, wenn er schreibt: \u201eGott hat ein Ziel, eine Absicht, eine Mission \u2026 Das ist die Mission des biblischen Gottes\u201c (Wright 2025: 55). Mit anderen Worten: Diese Begriffe sind synonym. Es besteht kein Bedarf, eine neue Formulierung zu erfinden. Dieses Buch handelt vom gro\u00dfen, \u00fcbergeordneten Ziel Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Und gerade deshalb lohnt es sich das Buch zu lesen; lass dich also von meinem Einwand gegen den Titel nicht davon abhalten!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?resize=300%2C225&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3329\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-jorono-international-2681369_1920.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein neues Kapitel in der zweiten Auflage<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Besonders bemerkenswert ist ein vollst\u00e4ndig neues Kapitel, das der zweiten Auflage hinzugef\u00fcgt wurde: \u201eErw\u00e4hlung und Supersessionismus\u201c (Kapitel 8; vereinfacht gesagt ist <em>Supersessionismus<\/em> die Auffassung, dass die Kirche Israel in Gottes Absicht ersetzt, auch bekannt als <em>Ersatztheologie<\/em> oder <em>Substitutionstheologie<\/em>). Wenn du meine monatlichen Beitr\u00e4ge regelm\u00e4\u00dfig liest, hast du vielleicht bemerkt, dass die Themen <a href=\"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2023\/10\/cals114\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Israel und der christliche Zionismus<\/a> mich besonders interessieren. Entsprechend habe ich Wrights Position zu diesen Themen mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">In der biblischen Geschichte, wie Wright sie erz\u00e4hlt, nimmt das Volk Gottes einen zentralen Platz ein. Tats\u00e4chlich ist ihm der gesamte dritte Teil des Buches gewidmet. Das Buch hat vier Teile, und dieser ist mit Abstand der l\u00e4ngste. Das Volk Gottes ist Ziel und Gegenstand von Gottes Liebe und Erl\u00f6sung. Zugleich ist es ein entscheidender Akteur, durch den Gott seine Absicht verwirklicht. Im Alten Testament ist dieses Volk selbstverst\u00e4ndlich Israel.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Und dann \u2013 nach Jesus?<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Wenn es in der Geschichte der Bibel darum geht, dass Gott die Welt rettet (so die These von <em>The Mission of God<\/em>), und wenn er dies zun\u00e4chst durch Israel, vor allem aber durch Christus tut, liegt der Schluss nahe, dass Israel nur ein Werkzeug ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Nachdem Christus die Mission erf\u00fcllt hat, so k\u00f6nnte man meinen, kann dieses Werkzeug beiseitegelegt und durch eine neue, globale Gemeinschaft \u2013 die Kirche \u2013 ersetzt werden. Das ist der Kern der Ersatztheologie oder des Supersessionismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Wright wurde beschuldigt, diese Ansicht zu vertreten, wie er in Kapitel 8 dokumentiert, und dieser Vorwurf muss ihn getroffen haben. Die Hinzuf\u00fcgung eines ganzen neuen Kapitels spricht daf\u00fcr. Wright betont nachdr\u00fccklich, dass er den Supersessionismus nicht unterst\u00fctzt: \u201eIch muss klarstellen, dass ich eine solche Ersatztheologie v\u00f6llig ablehne\u201c (ebd.: 258). Wie wir sehen werden, pr\u00e4zisiert Wright diese Ablehnung in wichtigen Punkten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Gottes Erw\u00e4hlung Israels ist unwiderruflich und in seiner unver\u00e4nderlichen Liebe gegr\u00fcndet, so Wright. Israel hatte tats\u00e4chlich auch eine einzigartige Mission um der V\u00f6lker willen erhalten. Gott hat Israel aber nicht lediglich wegen seiner N\u00fctzlichkeit als Mittel zum Zweck erw\u00e4hlt. Dass Christus die Mission vollendete, hei\u00dft daher nicht, dass die Beziehung damit beendet ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ja, aber \u2026<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Gleichzeitig wehrt Wright sich gegen die Ansichten seiner Kritiker. Er weist hin auf die Spannung zwischen Israel und der Kirche \u2013 eine Spannung, die der Schrift selbst innewohnt. Paulus nennt Gl\u00e4ubige in Christus \u201eein Volk zum Eigentum\u201c (Tit. 2,14; ebenso Petrus in 1. Pet. 2,9). Paulus und Petrus greifen damit die Worte auf, die Israel am Sinai zugesprochen wurden (2. Mo. 19,5f), wenden sie nun jedoch auf \u00fcberwiegend nichtj\u00fcdische Glaubende an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Nach Galater 4,21-31 sind diese Glaubenden die Kinder der freien Frau; sie ist das himmlische Jerusalem. Paulus stellt sie der Sklavin gegen\u00fcber, dem jetzigen Jerusalem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Doch zugleich steht in R\u00f6mer 11,28f: \u201eIm Blick auf das Evangelium sind sie [die Israeliten seiner Zeit] zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erw\u00e4hlung sind sie Geliebte um der V\u00e4ter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung k\u00f6nnen ihn nicht gereuen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Wright verweigert die Bequemlichkeit einer einfachen Antwort. Schlie\u00dflich markiert das Kommen Jesu einen radikalen \u00dcbergang von der Verhei\u00dfung zur Erf\u00fcllung. Die biblische Geschichte schreitet voran. Manches, wenn auch nicht Israels Erw\u00e4hlung, wird obsolet.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"\">Es ist also nicht supersessionistisch \u2026, sich mit dem Verfasser des Hebr\u00e4erbriefs \u00fcber all das zu freuen, was Gl\u00e4ubige an Jesus (insbesondere j\u00fcdische) in Christus haben, das \u201eneu\u201c und \u201ebesser\u201c ist, ohne die kostbaren Realit\u00e4ten, die vorhergingen, herabzusetzen oder die biblischen Aussagen \u00fcber Israels Erw\u00e4hlung zu leugnen. Es ist nicht supersessionistisch, auf die paulinische Lehre an die Galater hinzuweisen, dass das Kommen Christi die Uhr vorw\u00e4rts bewegt hat, von Israels Leben unter dem <em>paidag\u014dgos<\/em> [dem Vormundssklaven, der f\u00fcr einen Minderj\u00e4hrigen verantwortlich war; siehe Gal 3,24ff] der Tora hinein in die \u00c4ra des vom Geist und vom Messias bestimmten heilbringenden Glaubens, in dessen Licht es in der in Christus verk\u00f6rperten Familie Abrahams weder Jude noch Grieche gibt, ohne zu leugnen, dass Juden Juden bleiben und Heiden Heiden bleiben. Und \u2026 es ist nicht supersessionistisch, Paulus darin zuzustimmen, dass die Verhei\u00dfungen Gottes an Abraham \u2013 die historische Grundlage von Israels Erw\u00e4hlung \u2013 ihre herrliche und beabsichtigte Erf\u00fcllung in der Sammlung der Heiden in das Volk Gottes durch den Glauben an den Messias Jesus erreichen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"\">Wrights Schreiben ist dicht, doch sein Kern ist einfach: Es gen\u00fcgt nicht zu behaupten: \u201eIsrael ist Gottes Volk\u201c, und \u201eSupersessionismus!\u201c zu rufen, wann immer jemand antwortet: \u201eJa, aber \u2026\u201c Vieles hat sich ver\u00e4ndert, auch wenn die Erf\u00fcllung in Christus Israels Erw\u00e4hlung nicht aufhebt. Wright f\u00fchrt fort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"\">Das hei\u00dft: Solche Untersuchungen neutestamentlicher Erf\u00fcllungstexte sind nicht supersessionistisch \u2026 <em>es sei denn<\/em>, man behauptet zus\u00e4tzlich, dass die Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfungen Gottes an Israel Israels <em>Erw\u00e4hlung<\/em> zunichtegemacht oder beendet habe \u2013 und eine solche Behauptung stelle ich <em>nicht<\/em> auf, da sie der nachdr\u00fccklichen Aussage des Paulus in R\u00f6mer 11,28\u201329 widerspricht.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"\">Man sp\u00fcrt in diesen Worten eine gewisse Emp\u00f6rung \u00fcber unbegr\u00fcndete Vorw\u00fcrfe. Direkt anschlie\u00dfend wendet sich Wright der Frage nach Israel und Pal\u00e4stina heute zu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"\">Auch wenn es in der Gegenwart kontroverser ist, w\u00fcrde ich hinzuf\u00fcgen, dass es nicht supersessionistisch ist (und auch nicht antisemitisch, wie so oft behauptet wird), ernsthafte Fragen zu stellen und Kritik an den politischen Ma\u00dfnahmen und Handlungen des modernen Staates Israel nach 1948 zu \u00fcben oder theologischen und hermeneutischen Widerspruch gegen die Annahmen und Konsequenzen des christlichen Zionismus zu \u00e4u\u00dfern. Beides kann man meiner Meinung nach auf starker und n\u00fcchterner biblischer Grundlage tun, ohne das Existenzrecht Israels infrage zu stellen oder die unwiderrufliche Erw\u00e4hlung des j\u00fcdischen Volkes zu leugnen. Durchdringende <em>Kritik<\/em> kann zusammen gehen mit \u2013 ja, sie kann ein Ausdruck sein von \u2013 tiefgreifender und leidvoller Liebe zu Israel und zum j\u00fcdischen Volk, wie es die Bibel selbst durch alle Propheten hindurch, beginnend mit Mose, und in den Herzen und Tr\u00e4nen Jesu sowie des Apostels Paulus zeigt. (Ebd.: 265f.; Hervorhebung wie im Original)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"\">Auch hier ist Wright nicht bereit, sich mit einfachen Antworten zufriedenzugeben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Israel und die Gemeinde<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Wie sieht Wright also Israel und die Gemeinde? Nach Wright sind gl\u00e4ubige Heiden der bestehenden Glaubensgemeinschaft des AT hinzugef\u00fcgt worden. Der \u00d6lbaum wurde durch das Einpfropfen der Heiden durch den Glauben an Israels Messias vergr\u00f6\u00dfert. Dadurch entsteht ein einziger \u00d6lbaum. Israel wird dabei nicht durch die Gemeinde ersetzt (R\u00f6m. 11,17-24). Es geht um Erweiterung, nicht Austausch oder Substitution:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"\">Es gibt nur einen \u00d6lbaum. Gott hat nur eine Familie \u2013 die Familie Abrahams. Doch diese eine Familie ist nun durch die Einbeziehung \u201ewilder Zweige\u201c erweitert worden \u2013 Heiden, die zum Glauben an Israels Messias, Jesus, kamen. Abraham ist der \u201eVater vieler V\u00f6lker\u201c, wie Gott verhei\u00dfen hat (R\u00f6m. 4,16-18). Doch diese \u201evielen V\u00f6lker\u201c sind nun \u201eKinder Gottes\u201c und \u201eAbrahams Same\u201c (Gal. 3,26-29), durch Christus in Israel eingepfropft. (Ebd.: 272)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"\">Wir k\u00f6nnen weiterhin Israel <em>im ethnischen Sinn<\/em> von der Gemeinde unterscheiden. Gleichzeitig gilt: Israel als <em>die Gemeinschaft von Gottes Volk<\/em> wurde erweitert. Auch andere V\u00f6lker haben nun Anteil am Segen Abrahams; sie geh\u00f6ren dazu. Dies ist, so Paulus in Galater 3,8, das Evangelium gem\u00e4\u00df Genesis 12,1-3.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Also \u2026<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Soweit ein kleiner Eindruck von einem gro\u00dfartigen Buch. Ich halte den Ausdruck <em>die Mission Gottes<\/em> weiterhin f\u00fcr eine ungl\u00fcckliche Wortwahl. Was alles andere in diesem Buch angeht \u2013 das liest du besser selbst\ud83d\ude0a!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3324\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136geralt-business-idea-3683781_1920.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anhang: Michael Bird meldet sich zu Wort<\/strong><strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Als \u201eExtra\u201c f\u00fcge ich ein Zitat aus einer anderen Quelle an. Es ringt mit derselben Spannung in der Schrift. Der Text ist alles andere als einfach, aber es lohnt sich, dar\u00fcber nachzudenken. Das Buch, <em>Paul within Judaism: Perspectives on Paul and Jewish Identity<\/em>, setzt sich recht kritisch mit Supersessionismus auseinander, und doch schreibt Bird:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>J\u00fcdischsein und Heidensein bleiben in mancher Hinsicht bestehen, werden aber in anderer Hinsicht entkr\u00e4ftet durch eine neue gemeinsame Identit\u00e4t, die pneumatisch [Geist-gegeben] und partizipatorisch ist. Es gibt auch eine gewisse unvermeidliche Form von Supersessionismus zwischen Judentum und Christentum \u2013 so wie zwischen Judentum\/Christentum und Islam, zwischen Christentum und Mormonentum oder zwischen pharis\u00e4ischem und rabbinischem Judentum. Wenn das Heil in Christus und allein in Christus liegt (irgendwo, irgendwie, f\u00fcr irgendjemanden), dann werden alternative Heilswege (irgendwo, irgendwie, f\u00fcr irgendjemanden) obsolet. Das Christentum besitzt eine unausweichliche supersessionistische Qualit\u00e4t. Wie Joel Kaminsky und Mark Reasoner n\u00fcchtern feststellen: \u201eJede christliche Lekt\u00fcre der hebr\u00e4ischen Bibel wird wahrscheinlich irgendeine Form von Supersessionismus beinhalten; damit meinen wir, dass die Urchristen zu der \u00dcberzeugung gelangten, dass ihre Deutung der Schriften Israels fr\u00fchere und zeitgen\u00f6ssische Deutungen dieser heiligen Texte durch andere j\u00fcdische Leser \u00fcbertraf und dass Gottes Handeln durch Jesu Tod und Auferstehung den Beginn des Eschatons [der Endzeit] eingel\u00e4utet und damit einen Weg er\u00f6ffnet habe, auf dem Heiden an Gottes Verhei\u00dfungen an Israel teilhaben k\u00f6nnen.\u201c \u2026 Nun ist unter religi\u00f6sen Praktizierenden die Frage, was man mit der supersessionistischen Grundstruktur des christlichen Glaubens macht, eine ernste Angelegenheit f\u00fcr theologische Ethik und interreligi\u00f6sen Dialog; doch irgendeine Form von Supersessionismus \u2013 selbst wenn sie weit von einer Ersatztheologie entfernt ist \u2013 ist dem paulinischen Denken inh\u00e4rent. (Bird 2023: 20f)<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildnachweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Alle Bilder: Unsplash and Pixabay (CC0)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literaturangaben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"\">Bibelzitate, wenn nicht anders angegeben: <em>Die Bibel nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers<\/em>. 1999. Revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Bird, Michael. 2023. \u2018An Introduction to the Paul within Judaism Debate\u2019, in <em>Paul within Judaism: Perspectives on Paul and Jewish Identity<\/em>, Wissenschaftliche Untersuchungen Zum Neuen Testament, 507 (Mohr Siebeck)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Bird, Michael F., and others (eds). 2023. <em>Paul within Judaism: Perspectives on Paul and Jewish Identity<\/em>, Wissenschaftliche Untersuchungen Zum Neuen Testament, 507 (Mohr Siebeck)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Wright, Christopher J. H. 2025. <a href=\"https:\/\/amzn.to\/4txklP4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>The Mission of God: Unlocking the Bible\u2019s Grand Narrative<\/em><\/a>, Second edition (IVP Academic; bezahlter Link)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"\">Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verk\u00e4ufen. Einige der Links in diesem Text sind \u201eAffiliate Links\u201c. Wenn du \u00fcber diese Links etwas kaufst, hilfst du mir, die Kosten f\u00fcr Create a Learning Site abzudecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal eine Buchempfehlung: Falls du bereit bist, in diesem Jahr mindestens ein \u201eernsthaftes\u201c Buch zu lesen, vielleicht sollte es Christopher Wrights The Mission of God: Unlocking the Bible\u2019s Grand Narrative sein [in Deutsch: Die Mission Gottes: Die gro\u00dfe Geschichte der Bibel entschl\u00fcsseln; bezahlter Link], das im Oktober vergangenen Jahres in einer zweiten, \u00fcberarbeiteten Auflage erschienen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3323,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"nf_dc_page":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":false,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[587,177],"tags":[591,593,590,499,588,589,594,592],"class_list":["post-3330","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-israel","category-theologie","tag-chris-wright","tag-ersatztheologie","tag-gemeinde","tag-israel","tag-mission","tag-mission-gottes","tag-substitutionstheologie","tag-supersessionismus"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.wilrens.org\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cals-136-startupstockphotos-startup-3267505_1920.jpg?fit=1920%2C1280&ssl=1","jetpack-related-posts":[{"id":1378,"url":"https:\/\/www.wilrens.org\/de\/2017\/09\/cals41\/","url_meta":{"origin":3330,"position":0},"title":"Der Tempel als Abbild des Universums","author":"wilrens","date":"September 7, 2017","format":false,"excerpt":"\u00a0Ich bin fertig mit Greg Beale\u2019s Buch, The Temple and the Church\u2019s Mission (deutscher Titel: Der Tempel aller Zeiten: Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde - eine biblisch-heilsgeschichtliche Studie). 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