Drei Themen: Gott kämpft – aber nicht allein

Manchmal schmecken Reste besser als die ursprüngliche Mahlzeit; das könnte auf diese Ausgabe zutreffen. Ich habe wieder drei kurze Themen. Das erste ist eine Fortsetzung – oder ein Rest – vom letzten Monat. Ich argumentierte, dass das Buch Offenbarung das Evangelium ist. Es behandelt die gleichen Themen wie die kanonischen Evangelien: die Befreiung vom Bösen und das Kommen des Gottesreiches. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass das Vaterunser die vier Evangelien und die Offenbarung verbindet – nur so ist die gute Nachricht vollständig.

Diesen Brief gibt es in Englisch auch als VIDEO PODCAST

1. Himmlisches Heer in Leinen

An dieser Stelle möchte ich eine wichtige Ergänzung vornehmen. Der endgültige Sieg Gottes wird unter Einbeziehung seines Volkes zustande kommen.

Das Vaterunser findet seine endgültige Erhörung in der Offenbarung. Wir sollten es aber nicht als Gebet für die Wiederkunft verstehen. Es ist kein Schrei nach Gott, endlich zu kommen und alles zu beenden. Es ist viel konkreter und unmittelbarer als das. Gottes Reich und Wille sollen nicht irgendwann am Ende, sondern schon jetzt in der Geschichte und in unserem konkreten Leben Gestalt gewinnen.

Mit anderen Worten, die Gläubigen spielen eine aktive Rolle beim Kommen des Reiches und beim Sieg über das Böse. Das gehört zur Botschaft, die die Offenbarung verkündet. Die offensichtlichsten Beispiele:

In Offenbarung 12 scheitert der Drache wiederholt. Er schafft es nicht, das Kind zu verschlingen, sobald es geboren ist (Offb. 12,4), oder seine Stellung im Himmel zu behaupten (Offb. 12,7-12). Er versagt bei der Verfolgung der Frau (Offb. 12,13) und bei seinem Versuch, sie wegzuschwemmen (Offb. 12,15).

Die Gläubigen spielen eine Rolle in diesem Kampf durch ihr Zeugnis und ihre Bereitschaft, zu sterben, wenn es sein muss (Offb. 12,11).

In Offenbarung 13führt das Tier Krieg gegen die Heiligen und besiegt sie (Offb. 13,7). Hier scheint das Tier die Oberhand gewonnen zu haben. Es ist eine Parallele zu Offenbarung 11,7, wo das Tier gegen die beiden Zeugen Krieg führt und sie besiegt und tötet. Aber beachten wir, dass sie nur dreieinhalb Tage tot sind – eine bemerkenswert kurze Zeit und ein Kontrast zu den dreieinhalb Jahren effektiven Dienstes. Der scheinbare Sieg des Tieres ist auch in Kapitel 13 nur von kurzer Dauer.

Denn in Offenbarung 17,14 lesen wir wieder von diesem Krieg: „Die werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“

Wer sind Berufen, auserwählt und gläubig? Der Ausdruck kann nur Menschen, nicht Engel, beschreiben. Das Kräfteverhältnis kehrt sich um: Nun sind es die Heiligen, die das Tier besiegen.

In Offenbarung 19,11ff lesen wir von dem Reiter auf dem weißen Pferd, begleitet vom „Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem, reinem Leinen“ (Offb. 19,14). Es handelt sich dabei nicht um die Wiederkunft; er kommt mit den Wolken, nicht zu Pferd. Hier wird etwas sichtbar gemacht, das für das ganze Zeitalter der Gemeinde gilt.

Es handelt sich ebenso wenig um eine Armee von Engeln.  Nur wenige Verse zuvor können wir lesen, dass die Braut sich antut „mit schönem reinem Leinen. Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen“ (gemeint sind ihre Werke der Gerechtigkeit; Offb. 19,8). Wie ChatGPT mir gegenüber betonte: „Die Armeen des Himmels tragen Leinen, keine Rüstungen – denn die Gerechtigkeit, nicht die Gewalt, gewinnt den Krieg.“

Es ist also klar, dass diejenigen, die hier Leinen tragen, wieder einmal die Heiligen sind. Sie bilden das Heer des Himmels. Ihre gerechten Werke sind entscheidend. So kommt sein Reich; in ihrem Leben geschieht sein Wille. Nicht nur am Ende. Jetzt.

ChatGPT formulierte es so: „Das ist nicht nur eine Prophezeiung; es ist Beteiligung. Das Reich Gottes pausiert nicht und wartet auf ein Ende, sondern es schreitet voran, durch die Gläubigen, die es jetzt leben.“

2. Sacharja: Mit Gott in den Kampf

Ein ähnliches Bild – aber aus alttestamentlicher Perspektive – begegnet uns in Sacharja. Vor sehr langer Zeit, im Jahr 2014, habe ich die allererste Ausgabe von Create a Learning Site über die zweite Hälfte dieses Buches geschrieben.

Eins seiner Themen ist, dass Gott sein Volk für die letzte Konfrontation befähigen und es mit unglaublicher Kraft und Vitalität ausstatten will. Die drei wichtigsten Abschnitte dazu sind Sacharja 9,13-15, 10,5-7 und 12,5-8.

Bei Sacharja, wie auch bei anderen Propheten des AT wird der eschatologische Krieg vollständig als ein Krieg Israels gegen die Völker beschrieben. Damals wurde mit Klingen und Speeren, Mann zu Mann, gekämpft – eine blutige Angelegenheit. Genauso stellen die Propheten sich die letzte Schlacht vor; die Israeliten werden „im Kampf den Feind niedertreten in den Dreck auf der Gasse, und sie sollen kämpfen, denn der HERR wird mit ihnen sein“ (Sach. 10,5). Der Text ist berauschend und abstoßend zugleich. Offensichtlich fehlt in Sacharja noch die Intuition des Neuen Testaments nicht, dass unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut geführt wird. Verständlich: Für das alttestamentliche Israel zeigte sich das Böse meist in Form von menschlichen Armeen.

Wenn wir dies berücksichtigen und Sacharja im Licht des NT neu interpretieren, finden wir eine klare Bestätigung für die These des vorigen Abschnitts. Der Sieg über das Böse geschieht durch die aktive Mitwirkung des Gottesvolkes – auch wenn dieser Kampf ganz anders aussehen wird als in den bildhaften Darstellungen der Propheten.

3. Das Bild Gottes in Assyrien

Ein drittes Thema: Im Juli schrieb ich über die These, dass Assyrien das erste Weltreich war, basierend auf einem Buch von Eckart Frahm, Assyria: The Rise and Fall of the World’s First Empire [bezahlter Link].

Hier ist ein faszinierendes Zitat aus diesem Buch, das das Konzept des Gottesbildes, wie es in 1. Mose 1,26 verwendet wird, beleuchtet:

Im Gegensatz zu den Königen anderer Epochen der mesopotamischen Geschichte behaupteten die assyrischen Könige nie, dass sie tatsächliche Götter waren. Ihren geschriebenen Namen fehlt das Präfix für göttlich [ein Präfix, das darauf hinweisen sollte, dass der nachfolgende Name zur Kategorie Götter gehört], und es gab keine Tempel, die speziell ihrem Kult gewidmet waren. Aber wegen ihrer Macht wurden die Könige weitgehend als gottgleich wahrgenommen. Vergleiche mit dem Sonnengott Schamasch, dem Inbegriff der Gerechtigkeit, waren besonders häufig, und viele assyrische Texte verwenden die heilige Zahl Schamaschs, zwanzig, als Ersatz für den Titel König. Im Jahr 669 v. Chr. schrieb Adad-shumu-usur, ein prominenter Gelehrter, an König Esarhaddon: „Der König, der Herr der Länder, ist das Ebenbild von Schamasch“ … In einem anderen Brief stellt derselbe Adad-shumu-usur eine interessante dreigliedrige Hierarchie auf, die den König an die Schnittstelle zwischen der Welt der Götter und der der gewöhnlichen Menschen stellt: „Man sagt: ‚Der Mensch ist der Schatten Gottes.‘ Aber der Mensch ist nichts anderes als der Schatten des Menschen. Der König, er ist in der Tat das wahre Ebenbild Gottes.“ Ein mesopotamischer Mythos unterscheidet die Erschaffung des Königs ausdrücklich von der des Menschen – und weist damit in dieselbe Richtung. Und ein königliches Reinvestiturritual [d.h. ein Ritual zur Wiedereinsetzung oder Bestätigung einer Person im Amt], das im sechsten Monat des Jahres durchgeführt wurde, übertrug heilige Handlungen, die sonst bei der Herstellung einer neuen Götterstatue verwendet wurden, auf die Gewänder und den Thron des Königs – in den Köpfen der Teilnehmer eine eucharistie-ähnliche Verwandlung dieser Gegenstände. (Frahm 2024: 139f)

Indem 1. Mose alle Menschen als Bild Gottes darstellt, nicht nur den König, vollzieht das Buch eine radikale und revolutionäre Wende.

Mehr über das Bild Gottes findest du hier.

Bildnachweis

Pixabay.com and Unsplash.com

Literaturangaben

Bibelzitate, wenn nicht anders angegeben: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. 1999. Revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft)

Frahm, Eckart. 2023. Assyria: The Rise and Fall of the World’s First Empire (Bloomsbury Publishing; bezahlter Link)

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